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Wohnungslosenhilfe im Sozialdienst katholischer Frauen


Einleitung: Die Tradition der Hilfe für wohnungslose Frauen im SkF

Der Sozialdienst katholischer Frauen ist ein Frauen- und Fachverband in der katholischen Kirche, der sich der Hilfe für Kinder, Jugendliche, Frauen und Familien in besonderen Lebenslagen widmet.

Er nimmt seine unterschiedlichen Aufgaben in Parteilichkeit für die Betroffenen wahr und ist präventiv und nachgehend tätig.

Der Sozialdienst katholischer Frauen ist als Frauen- und Fachverband seit seiner Gründung im Jahre 1899 in der Hilfe für wohnungslose Frauen tätig.

Schon früh erkannten die Gründerinnen, dass soziale Bedingungen wie Armut oder Arbeitslosigkeit Frauen häufig besonders hart treffen.

Hier aus christlichem Engagement und aus humanitären Überlegungen individuell unter anderem auch obdachlosen Frauen zu helfen, war der Anfangsimpuls des SkF. Dabei erfuhren diese Frauen, dass sie über die individuelle und aktuelle Hilfe im Bereich der Obdachlosigkeit hinaus größere Initiativen und Projekte entwickeln und verwirklichen konnten, um so soziale Verhältnisse zu verändern.

Frauen im SkF bieten Hilfe für Wohnungslose an, sie informieren die Öffentlichkeit und vertreten auch die Interessen wohnungsloser Frauen, die selbst zu dieser Vertretung nicht in der Lage sind.

Wohnungslose Frauen zu unterstützen und sie nach Möglichkeit zur Selbständigkeit und zur Wahrnehmung ihrer Rechte zu befähigen, ist das Ziel des Sozialdienst katholischer Frauen.


Frauenspezifischer Hilfeansatz

Den Sozialdienst katholischer Frauen, der überwiegend Frauen als Zielgruppe seiner Arbeit hat, leitet die Erkenntnis, dass es auch in unserer derzeitigen gesellschaftlichen Situation noch immer Benachteiligungen und Nöte gibt, von denen Frauen in besonderer Weise betroffen sind, die insofern frauenspezifische Hilfen erforderlich machen.

Gerade die Wohnungslosigkeit von Frauen stellt sich anders dar als die Wohnungslosigkeit von Männern, da die weibliche Sozialisation anders verläuft und Frauen oftmals Nischenlösungen bevorzugen bis die Wohnungslosigkeit offensichtlich wird.

Dies muss sich in der Gestaltung der Hilfen niederschlagen in der Form von:

  • Konsequente Einbeziehung der hilfesuchenden Frauen
  • Achtung der Selbstbestimmung und Mündigkeit
  • Hinwendung zu einer an den Fähigkeiten und Stärken der Frauen orientierten Hilfe
  • Hinwendung zu einer normalitätsorientierten Hilfe

In dem Bewusstsein, dass es frauenspezifische Probleme gibt, dass Persönlichkeitsentwicklungen, Lebensentwürfe und die Lebenswelt der Frau in erforderlichem Maße in die sozialpädagogische Arbeit einbezogen werden müssen, setzt der Sozialdienst katholischer Frauen einen frauenspezifischen Arbeitsansatz um.

Der Sozialdienst katholischer Frauen wirkt in der Öffentlichkeit für Frauen durch

  • Sichtbarmachen der spezifischen Probleme von Frauen
  • Eintreten für gerechtere soziale Strukturen
  • Abbauen der Benachteiligungen von Frauen in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen
  • Einfordern und Fördern der Gleichstellung und Gleichwertigkeit des "Männlichen" und "Weiblichen" im
  • Bewusstsein der Menschen und in den Strukturen.

Der Sozialdienst katholischer Frauen leistet eine parteiliche sozialpädagogische Arbeit mit Frauen in Räumen, zu denen ausschließlich Frauen Zugang haben. Diese Räume bedeuten Schutz vor Missbrauch, Misshandlungen und Übergriffen.

Folgende Formen von Hilfeangeboten werden in der sozialpädagogischen Arbeit mit den betroffenen Frauen berücksichtigt.:

Sozialberatung/Existenzsicherung

  • Erhalt von Wohnraum, Vermittlungen von Unterkunft, Wohnungsmöglichkeiten und Einrichtungen
  • Sozialhilfeberatung
  • finanzielle Absicherung
  • Unterstützung beim Umgang mit Behörden
  • Entschuldung, Hilfe beim Umgang mit Geld
  • Einrichtung einer Postadresse
  • Beschaffung von Papieren
  • Unterstützung bei der Umsetzung rechtlicher Ansprüche
  • Motivation und Hinführung zu beruflicher Qualifikation und Integration in den Arbeitsmarkt

Psychosoziale Hilfe

  • Hilfe beim Überdenken der persönlichen Situation
  • Abbau der überhöhten Ansprüche der Frauen an sich und andere
  • Sichtbarmachen von Abhängigkeiten
  • Motivation zur therapeutischen Begleitung
  • Hinweis auf die Notwendigkeit, sich Grenzen zu setzen und Grenzen akzeptieren zu lernen
  • Aufbau eines positiven Körperbewusstseins
  • Stärkung von Selbstwertgefühl, Selbständigkeit, Eigenverantwortung und Konfliktfähigkeit
  • Offenlegung und Verstärkung persönlicher Kompetenzen
  • Hilfe bei der Entwicklung individueller Lebensperspektiven und deren Umsetzung
  • tagesstrukturierende Angebote
  • medizinische Hilfe
  • Hilfe bei Verlusterfahrungen
  • Abbau von Ängsten
  • Herauslösung aus Isolation
  • Motivation und Anregung zur individuellen Freizeitgestaltung


Formen der Hilfe

  1. Beratungsstellen

    Die Beratungsstellen des SkF sind Anlaufstellen für wohnungslose, von Wohnungslosigkeit bedrohte oder ehemals wohnungslose Frauen, die einer akuten Notsituation nicht gewachsen sind, z.B. weil ein finanzieller Engpass zum Verlust der Wohnung geführt hat oder zu führen droht. Erst im Laufe des Beratungsprozesses kommt dann oft die vielschichtige Hintergrundproblematik wie z.B. Abhängigkeitsverhältnisse, soziale Benachteiligung, Ausbeutung und sexueller Missbrauch, Bindungslosigkeit und vieles mehr zum Vorschein. Nicht selten in Kombination mit Frauentreffs, -cafés oder ähnlichem bieten Beratungsstellen Frauen die Möglichkeit, durch Fachfrauen vielfältige Hilfe zu erfahren, die auf ihre besondere, frauenspezifische Notsituation zugeschnitten ist.

    Diese Hilfe umfasst erforderlichenfalls Soforthilfemaßnahmen wie Sicherung noch vorhandenen Wohnraums, z.B. durch Gespräche mit Vermietern, Hilfe bei der Regelung von Mietschulden usw., Notunterbringung durch die Beratungsstelle, Einleitung medizinischer Maßnahmen oder Vermittlung bei Beziehungskonflikten. Über diese Kriseninterventionen hinaus kann die Beratung einer Klärung der oft komplexen psychosozialen Problemlage der ratsuchenden Frauen sowie ihrer schrittweisen Aufarbeitung ebenso dienen wie Maßnahmen zur finanziellen Absicherung, Beschaffung von Papieren, Suche und Erhaltung einer Wohnung und/oder eines Ausbildungs- bzw. Arbeitsplatzes beinhalten. Auch Hilfen zur Begegnung und Freizeitgestaltung sowie die Vermittlung an andere Institutionen, z.B. Sucht- oder Schuldnerberatungsstelle, sind möglich.

    Im gesamten Beratungsprozess wird eine tragfähige personale Beziehung zwischen Beraterin und Klientin angestrebt, über welche "Hilfe zur Selbsthilfe" geleistet wird, um die Klientin zur Mobilisierung und Entwicklung eigener Fähigkeiten und Kräfte zu motivieren, soweit dies im Einzelfall möglich ist.
     
  2. Treffpunkte

    Treffpunkte wie Frauencafés, Tee- und Wärmestuben und ähnliches, sind Räume, in denen wohnungslose Frauen sich tagsüber aufhalten können. Hier finden sie Schutz vor Gewalt, sexuellen Übergriffen, Anfeindungen und Demütigungen ebenso wie vor Kälte und Nässe.

    Sie können sich ausruhen, duschen, ihre Wäsche waschen und trocknen sowie sich preiswert mit einer Mahlzeit und Getränken versorgen. Begegnungen mit "Leidensgenossinnen", aber auch mit nicht obdachlosen Frauen wirken der Isolation und Vereinsamung entgegen. Gespräche und gegebenenfalls gemeinsame Aktivitäten der regelmäßigen Besucherinnen können dem Tag und der Woche Struktur verleihen und sich positiv auf die psychische Stabilität und das Selbstwertgefühl der Frauen auswirken. Sie fühlen sich angenommen mit all ihren Sorgen und Nöten.

    Falls sie es wünschen, kann eine zwanglose Erstberatung durch die anwesende Fachkraft des SkF stattfinden, die ggf. in eine intensivere Weiterberatung oder Vermittlung an entsprechende Fachdienste bzw. Einrichtungen mündet.
     
  3. Aufsuchende Hilfen

    Nicht allen Frauen ist es möglich, von sich aus Hilfeangebote in Anspruch zu nehmen. Die Hemm- schwelle hierzu ist geradezu bei Frauen sehr hoch - sie scheuen sich, ihre Hilfebedürftigkeit einzu- gestehen und offen zu legen (wie bereits ausgeführt).

    Viele von ihnen können durch aufsuchende Aktivitäten der SkF-Fachfrauen erreicht und motiviert werden, Beratung und Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Dazu ist es nötig, die betroffenen Frauen z.B. im Rahmen von Streetwork in ihrem Milieu anzusprechen und ihr Vertrauen zu gewinnen.
     
    In diesem Sinne sind auch Projekte der Gemeinwesenarbeit zu verstehen, die in Vierteln mit einem hohem Prozentsatz von wohnungslosen Menschen z.B. in Notunterkünften offene und niederschwellige Angebote bereithalten. Diese Angebote greifen konkret die jeweiligen Bedürfnisse der Betroffenen auf und können oft schon präventiv wirken. Nicht selten kann eine Eskalation der Probleme dadurch verhindert werden.

    Derartige Angebote durch eine vertraute Sozialarbeiterin als Bezugsperson werden eher angenommen als die sonst üblichen komplexen und spezialisierten Beratungseinrichtungen. Je nach Bedarf kann dann eine Kooperation mit den spezialisierten Diensten wie Drogen-, Schuldner-, Erziehungs- oder Schwangerschaftskonfliktberatung erfolgen.

    Aufsuchende Hilfen erstrecken sich auch auf die nachgehende Betreuung von Klientinnen, die aus Einrichtungen wie z.B. Heimen und Wohngruppen in eine eigene Wohnung entlassen werden konnten, um den begonnen Prozess der Stabilisierung und Verselbständigung weiter zu begleiten und zu fördern.
     
  4. Ambulant betreutes Wohnen

    Anders als Hotels oder Pensionen bietet ambulant betreutes Wohnen wohnungslosen Frauen für eine in der Regel befristete Zeit nicht nur Aufnahme, festes Unterkommen in ansprechender Atmosphäre und Sicherung des Lebensunterhaltes, mit anderen Worten "Heimat", sondern auch ein Übungs- und Erfahrungsfeld für ihre persönliche Entwicklung.

    Hier werden sie menschlich akzeptiert und können mit fachlicher Unterstützung ihre persönliche Situation inklusive ihrer Bedürfnisse, Vorstellungen, Interessen und (noch) vorhandenen Fähigkeiten klären, Schwierigkeiten abbauen und eine neue realistische Lebensperspektive entwickeln. Sie werden beraten (z.B. hinsichtlich sozialrechtlicher Ansprüche), begleitet und unterstützt (z.B. bei Wohnungs- und Arbeitssuche, Kontakten zu Ämtern und Institutionen, Schuldenregulierung, medizinische Untersuchungen und Behandlungen) und nötigenfalls an spezielle Fachdienste weitervermittelt.

    In der Gruppe, in der sich die Frauen selbst versorgen, lernen sie miteinander zu kommunizieren, Absprachen zu treffen und einzuhalten, Konflikte konstruktiv auszutragen und aufeinander Rücksicht zu nehmen. Ihre Gemeinschaftsfähigkeit wird so gestärkt bzw. erst grundgelegt. Gleichzeitig fördert die Gruppe den Abbau von Isolation und Vereinsamung der einzelnen Frauen sowie die sinnvolle Gestaltung der Freizeit.

    Durch die Mitarbeit im Haushalt, bei der Essenszubereitung und Wohnungspflege und durch den verantwortlichen Umgang mit Geld erwerben die Bewohnerinnen lebenspraktische Fähigkeiten, die Voraussetzung für ein selbständiges Leben in eigener Wohnung sind.

    Alle diese Lernprozesse werden begleitet, initiiert und gefördert durch Fachfrauen in individueller Einzelhilfe und Gruppengesprächen.
     
  5. Stationäre / teilstationäre Einrichtungen

    Nicht allen wohnungslosen Frauen kann durch die vorgenannten Hilfeangebote geholfen werden. Es bleibt ein Anteil, der durch alle Maschen des sozialen Netzes fällt, von keiner der übrigen Einrichtungen aufgenommen bzw. behalten werden kann, weil die Störungen und Auffälligkeiten der betroffenen Frauen so gravierend sind, dass sie als "nicht mehr resozialisierbar" gelten. Oft haben sie jahrelang auf der Straße gelebt, sind psychisch sehr labil, alt oder krank.

    Diese Frauen können in einer stationären oder teilstationären Einrichtung vorübergehend oder dauerhaft ein Zuhause und menschliche Gemeinschaft finden. Hier werden ihre menschlichen Grundbedürfnisse befriedigt, sie können soziale Beziehungen eingehen, Vertrauen zu sich selbst und zu anderen aufbauen, vorhandene Fähigkeiten reaktivieren und wieder Hoffnung für die Zukunft schöpfen. Für die übrigen Bewohnerinnen jedoch kann eine stationäre oder teilstationäre Einrichtung zu einer Heimat auf Dauer werden, in der sie ihren Platz in der Gemeinschaft finden und behaupten.


weitere Infos: Beratung und Hilfe – Wohnungslosenhilfe
 

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