Spenden und Helfen

Publikationen im SkF

Gemeinsame Wohnformen
für Mütter / Väter und Kinder (§ 19 SGB VIII)

Fachliche Standards der Arbeit in Einrichtungen in katholischer Trägerschaft (Stand: 1999)

Gliederung

  1. Vorbemerkung
  2. Grundwerte und Prinzipien der Arbeit
  3. Personenkreis und Problemlagen
  4. Die pädagogische Arbeit
    4.1. Ziele
    4.2. Regelleistungen
    4.2.1. Vorgespräch
    4.2.2. Aufnahme
    4.2.3. Start- und Orientierungsphase
    4.2.4. Stabilisierungsphase
    4.2.5. Auszugsphase
    4.3. Bedarfsorientierte Leistungen
  5. Rahmenbedingungen
    5.1. Räumliche Standards
    5.2. Personelle Standards
    5.3. Institutionelle Standards
  6. Qualitätssicherung
  7. Kooperation und Vernetzung
  8. Öffentlichkeitsarbeit
  9. Rechtsgrundlagen
    9.1. Kinder- und Jugenhilfegesetz (KJHG / SGB VIII)
    9.2. Bundessozialhilfegesetz (BSHG / SGB III)


1. Vorbemerkungen

Mutter-Kind-Einrichtungen in katholischer Trägerschaft haben schon eine lange Tradition. Erste Einrichtungen entstanden im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts als Hilfeangebote für "Gefallene Mädchen" und ihre Kinder. "Sämtliche Heime entstanden auf der Grundlage der Privatwohltätigkeit und wurden zunächst überwiegend durch Spenden unterhalten... Private Trägerschaft bedeutet in dem betrachteten Zeitraum überwiegend konfessionelle Bindung." (1)

Wesentlichen Einfluß auf die weitere Entwicklung hatten die Bestimmungen zur Fürsorgeerziehung im Bürgerlichen Gesetzbuch von 1900, das Inkrafttreten des Reichsjugendwohlfahrtsgesetzes 1924 und die Nachkriegsnovelle zum Jugendhilferecht.

Nach dem zweiten Weltkrieg war ein erheblicher Anstieg der Hilfen für nichteheliche Mütter und ihre Kinder zu verzeichnen, die zunehmend auch eine Alternative zur Trennung von Mutter und Kind und Unterbringung von Kindern in Säuglingsheimen bieten sollten.

Seitdem haben sich die Mutter-Kind-Einrichtungen in katholischer Trägerschaft den gesellschaftlichen Entwicklungen und Problemlagen von alleinstehenden Schwangeren/Müttern mit Kindern entsprechend weiterentwickelt und zunehmend auch intern differenziert.

Wenn im nachfolgenden Text von Einrichtungen gesprochen wird, so sind damit die unterschiedlichsten Wohnformen von stationärer Intensivbetreuung bis hin zum ambulant betreuten Einzelwohnen gemeint. Allen Wohnformen ist gemeinsam, daß sie an ein Hilfesystem angebunden sind, das ein breit gefächertes Angebot individuell angemessener Beratung, Betreuung und Hilfe vorhält.

Das Kinder- und Jugendhilfegesetz richtet das Angebot der gemeinsamen Wohnformen gleichermaßen an Mütter und Väter. In der Realität leben jedoch so selten alleinerziehende Väter mit Kindern in einer Einrichtung, daß im Text von Mutter-Kind-Einrichtungen gesprochen wird.


2. Grundwerte und Prinzipien der Arbeit

Die Arbeit der Mutter-Kind-Einrichtungen in katholischer Trägerschaft orientiert sich an Werten, die sich aus dem Grundgesetz und dem christlichen Menschenbild ergeben. In der pädagogischen Arbeit werden alle Frauen, Männer, Mädchen und Jungen in ihrer personalen Einmaligkeit als Individuen mit Stärken und Schwächen angenommen. Das Wissen um die Entwicklungspotentiale in jedem Menschen bildet den Ausgangspunkt allen pädagogischen Handelns.

Mitarbeiterinnen (2) in Mutter-Kind-Einrichtungen in katholischer Trägerschaft handeln auch als Anwältinnen der von ihnen Betreuten und setzen sich für die Verbesserung der Situation Alleinerziehender in Kirche und Gesellschaft ein. Die Gleich-berechtigung verschiedener Lebensformen von Müttern/Vätern mit Kindern, eine verbesserte Vereinbarkeit von Kindererziehung und Erwerbstätigkeit und eine ausreichende und gerechte Familienförderung, die die besonderen Belastungen von allein Erziehenden berücksichtigt, sind wichtige Anliegen der Lobbyarbeit.

Das Grundgesetz stellt die Familie, Mütter und Kinder unter den besonderen staatlichen Schutz. Kindern verspricht es das Recht auf freie Entfaltung und Entwicklung ihrer Persönlichkeit. Mutter-Kind-Einrichtungen in katholischer Trägerschaft wollen mit ihren Angeboten zum Erreichen dieser Ziele beitragen.

Angebote und Hilfen für Mütter (Väter) und ihre Kinder richten sich gleichermaßen an zwei Generationen. Die Hilfeangebote beziehen sich auf die Schwangere/Mutter, auf das Kind und auf die Beziehungsdyade Mutter und Kind. Darüber hinaus werden wichtige Bezugspersonen wie z.B. die Herkunftsfamilie oder Kindesväter/Partner der Frauen in die Arbeit einbezogen.

Arbeit mit allein Erziehenden Müttern ist frauenspezifische Sozialarbeit, die mit den besonderen Benachtei- ligungen, Belastungen und Rahmenbedingungen der Frauen in unserer Gesellschaft, aber auch mit ihren besonderen Fähigkeiten und Stärken rechnet.

Von wachsender Bedeutung für die Arbeit der Einrichtungen ist die Integration ausländischer junger Mütter. Pädagogische Arbeit mit Frauen aus unterschiedlichen Kulturen und Nationalitäten erfordert einen inter- kulturellen Ansatz.

Die Hilfen werden in unterschiedlichen Wohn- und Betreuungsformen (stationär, teilstationär oder ambulant) angeboten. Die Einrichtungen verstehen sich als Hilfesystem und halten ein differenziertes Betreuungsangebot vor. Sie leisten Begleitung, Hilfe und Unterstützung je nach Bedarf in unterschiedlicher Ausprägung, Intensität und Dauer.


3. Personenkreis und Problemlagen

Anspruch auf Hilfe in gemeinsamen Wohnformen haben Minderjährige und Volljährige, Schwangere und Mütter (Väter) mit ihren Kindern, die wegen persönlicher und sozialer Schwierigkeiten für sich und das Kind gezielte Hilfen benötigen, suchen und annehmen wollen.

Die Situation dieser Schwangeren/Mütter (Väter) ist häufig geprägt von:

  • mangelnder Unterstützung aus der Herkunftsfamilie
  • geringem Selbstwertgefühl,
  • einem schwierigen und belastenden Umfeld,
  • einer problematischen Partnerbeziehung,
  • fehlenden beruflichen und schulischen Perspektiven,
  • psychischen Auffälligkeiten/Erkrankungen,
  • Suchtgefährdung,
  • Unsicherheit in der Versorgung, Pflege und Erziehung des Kindes,
  • materiell unzureichender Versorgung.

Die Unterstützung setzt an den Ressourcen der BewohnerInnen an und versucht, deren Kompetenzen zu verstärken und auszubauen.


4. Die pädagogische Arbeit

4.1 Ziele der pädagogischen Arbeit sind

  • die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung der jungen Mütter,
  • eine gesunde leibliche, geistige, seelische und emotionale Entwicklung des Kindes,
  • die Entwicklung einer langfristigen Zukunftsperspektive für die Mütter und ihre Kinder (möglichst in einer eigenen Wohnung),
  • eine stabile tragfähige Mutter-Kind-Beziehung, in der sowohl die Bedürfnisse des Kindes als auch die der Mutter (des Vaters) ihren Platz haben,
  • die Klärung der Mutter-Kind-Beziehung im Hinblick auf ein Zusammenleben oder eine Trennung,
  • Mütter, die sich gegen ein Zusammenleben mit dem Kind entscheiden, darin zu unterstützen, getrennte Lebensperspektiven für sich und das Kind zu entwickeln.

4.2 Regelleistungen

Alle sozialpädagogischen Angebote werden auf den individuellen Hilfebedarf der Schwangeren/Mutter abgestimmt, wie er im Hilfeplan nach § 36 SGB VIII beschrieben wird.

4.2.1 Vorgespräch

  • Information über die Einrichtung
  • Klärung der Situation der Interessentin
  • Intensive Beratung über die Aufnahme
  • Zusammenarbeit mit Sozialen Diensten
  • Kostenklärung

4.2.2 Aufnahme

  • Hilfeplanung/Betreuungsvereinbarung/Auftragsklärung
  • Einzugsbegleitung
  • Integration in die Hausgemeinschaft
  • Regelung interner und externer Formalitäten
  • Einbeziehung relevanter Personen

4.2.3 Start- und Orientierungsphase

  • Beziehungsaufbau zwischen Betreuten (Mütter, Väter, Kinder) und BetreuerIn
  • Geburtsvorbereitung und Begleitung bei der Geburt
  • Erarbeitung von Alltagsstrukturen und Entwicklung von mittelfristigen Perspektiven
  • Beratung, Hilfestellung und Begleitung beim Umgang mit Ämtern und Behörden
  • Einbeziehung des Kindes in den Alltag
  • Klärung von Rechtsfragen (z.B. Aufenthaltsrecht

4.2.4 Stabilisierungsphase

Sozialpädagogische Beratung in Bezug auf:

  • realitätsgerechte Selbsteinschätzung
  • Stärkung/Aufbau des Selbstwertgefühls
  • Aufarbeitung der Biographie (ggf. unter Einbeziehung der Herkunftsfamilie)
  • Unterstützung bei der Identitäts- und Rollenfindung
  • Beziehungsklärung zum Vater des Kindes und/oder Partner (Paarberatung mit Blick auf das Kind)
  • Entwicklung eines adäquaten Sozialverhaltens
  • Förderung des Durchsetzungs- und Durchhaltevermögens
  • personelle und finanzielle Unabhängigkeit
  • die finanzielle Situation (z.B. Schuldenregulierung)

Förderung der Mutter-Kind-Beziehung:

  • Reflexion der Mutter-Kind-Beziehung
  • Klärung der Bedürfnisse von Mutter und Kind
  • Gezielte Beobachtung der Mutter-Kind-Beziehung
  • Vermittlung von positivem Elternverhalten

Alltagspädagogische Hilfen für das Kind:

  • Altersgemäße Förderung des Kindes
  • Kinderbetreuung bei Abwesenheit der Mutter (z. b. Schulbesuch, Ausbildung)
  • Beratung/Vermittlung von externen Kinder-Tagesbetreuungsangeboten
  • zeitweise Kinderbetreuung zur Entlastung der Mütter

Hilfen im lebenspraktischen Bereich:

  • Tagesstruktur einüben
  • Haushaltsführung
  • verantwortlicher Umgang mit Geld
  • Gesundheitsvorsorge
  • Annahme des eigenen Körpers
  • Körpererfahrung/Fitneß
  • gesundheitsbewußte Ernährung
  • Körperhygiene
  • Umgang mit Sexualität und Empfängnisverhütung
  • Hilfe zur alltäglichen Lebensbewältigung (einschließlich Erschließung des sozialen Umfeldes)

Entwicklung einer beruflichen Zukunft:

  • Motivation und Unterstützung bei Schulabschluß und Aufnahme bzw. Beendigung einer Ausbildung
  • Arbeitsplatzsuche und Arbeitsaufnahme
  • Unterstützung bei der Fortführung der bisherigen Tätigkeit

Freizeitgestaltung:

  • Beratung und Hilfestellung bei der Freizeitgestaltung
  • kreative Freizeitangebote, Fördern von Fähigkeiten und Kreativität
  • gemeinsame Gestaltung von Freizeit, Sport und Spiel

Hilfe und Unterstützung bei der Geltendmachung finanzieller Ansprüche oder Sozialleistungen:

Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe

  • Krankengeld, Mutterschaftsgeld
  • Kindergeld
  • Bundeserziehungsgeld
  • Unterhalt, Unterhaltsvorschuß
  • Leistungen der Krankenversicherung
  • Schuldenregulierung
  • Leistungen der Bundesstiftung "Mutter und Kind - Schutz des ungeborenen Lebens"

Arbeit mit dem Partner/dem Vater des Kindes:

  • Beziehungsklärung in Einzel- oder Paargesprächen
  • Einüben von Partnerschaft und Familienleben
  • Lernen an Modellen

Hilfe und Unterstützung bei Rechtsunsicherheiten:

  • Aufenthaltsrecht
  • Scheidung
  • Versicherungsrecht
  • Verbraucherschutz

Zur pädagogischen Arbeit mit der Mutter (dem Vater) gehört die Kooperation mit Lehrerinnen und Lehrern, Arbeitgebern und weiteren am Hilfeprozeß beteiligten Personen.

4.2.5 Auszugsphase

  • Unterstützung und Begleitung bei der Wohnungssuche und Umzugsorganisation
  • Beratung und Unterstützung im Hinblick auf die veränderte Lebens- und Wohnform
  • Klärung der finanziellen Situation von Mutter (Vater) und Kind nach dem Auszug
  • Falls erforderlich, Vermittlung in weitere Beratung/Betreuung

4.3 Bedarfsorientierte Leistungen

Neben den zuvor genannten Regelleistungen werden je nach Konzept in den stationären Mutter-Kind-Einrichtungen pädagogische Angebote bereitgehalten, die ausgehend vom Einzelfall und den Vereinbarungen bei der Hilfeplanung erbracht werden können.

Beispielhaft sind hier zu nennen:

  • therapeutisch orientierte Leistungen
  • Vermittlung von ambulanten und stationären Therapien
  • Bereitstellung von Fachkompetenz und erhöhter Sensibilität bei von Vernachlässigung und Mißhandlung bedrohten Kleinkindern
  • dauerhafte Hilfe und Unterstützung von Mutter und Kind z.B. durch Unterbringung in Einrichtungen für geistig behinderte Mütter mit Kindern
  • besondere Fördermaßnahmen bei Entwicklungsdefiziten und -verzögerungen der Kinder
  • Nachbetreuung (einschließlich Betreutes Einzelwohnen)
  • Beratung und Unterstützung der Mutter bei Inpflegegabe oder Adoption
  • Arbeitstraining und Arbeitstherapie
  • interne Ausbildungsmöglichkeiten
  • Aufbau niedrigschwelliger Beschäftigungsprojekte
  • Unterstützung bei der alltäglichen Lebensbewältigung
  • Intensivförderung hinsichtlich der Haushaltsführung


5. Rahmenbedingungen

5.1 Räumliche Standards

In Mutter-Kind-Einrichtungen in katholischer Trägerschaft stehen mindestens für jede Mutter mit ihrem Kind ein Zimmer sowie Bad, Küche und Wohnzimmer zur gemeinsamen Nutzung einer Wohngruppe zur Verfügung. Angestrebt wird ein Standard von je einem Zimmer für die Mutter und das Kind mit eigenem Bad und Kochgelegenheit.

Hinzu kommen Räume für die Kinderbetreuung, die nach pädagogischen Gesichtspunkten eingerichtet und ausgestattet sind. Auf behindertengerechte Ausstattung wird hingewirkt.

Den hauptamtlichen MitarbeiterInnen stehen Büro- und Beratungsräume zur Verfügung.

Für eine Mutter mit mehreren Kindern wird nach Möglichkeit mehr Raum zur Verfügung gestellt.

5.2 Personelle Standards

In Mutter-Kind-Einrichtungen in katholischer Trägerschaft arbeiten ausschließlich Fachkräfte mit pädagogischer Qualifikation, i.d.R. mit festem Arbeitsvertrag. Fachkräfte sind Diplom-SozialpädagogInnen und Diplom-SozialarbeiterInnen oder MitarbeiterInnen mit vergleichbaren Qualifikationen.
HeilpädagogInnen, ErzieherInnen, Kinderkrankenschwestern, aber auch Verwaltungsangestellte, Haus- wirtschafterinnen, Hausmeister werden entsprechend der Konzeption der jeweiligen Einrichtung nach Bedarf angestellt.

Die MitarbeiterInnen arbeiten in einem festen Team. Eine kontinuierliche Dienst- und Fachaufsicht ist gewährleistet. Alle MitarbeiterInnen haben eine klare Regelung der jeweiligen Zuständigkeit (Arbeitsplatz- beschreibung) sowie geregelte Arbeitszeiten.

Eine fortlaufende fachliche Qualifizierung der MitarbeiterInnen durch

  • fachliche Beratung durch KollegInnen, Leitung
  • Fortbildung und Weiterbildung
  • regelmäßige externe Supervision

ist für die Fachkompetenz der MitarbeiterInnen und die Qualität der in den Einrichtungen geleisteten Arbeit notwendig und wird gewährleistet.

5.3 Institutionelle Standards

Mutter-Kind-Einrichtungen befinden sich sowohl in Städten als auch im ländlichen Raum. Für alle Ein- richtungen gilt, daß sie gut erreichbar sein und über eine ausreichende Infrastruktur verfügen sollen. Eine gute Vernetzung mit anderen Diensten und Einrichtungen vor Ort ist Voraussetzung für eine adäquate umfassende Hilfe für die BewohnerInnen und ihre Kinder.

Auf eine angemessene Ausstattung mit Sachmitteln (z. B. Bürokommunikationsmittel, wie PC und Fax) wird geachtet.


6. Qualitätssicherung

Neben der regelmäßigen Qualifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (vgl. Pkt. 5.2) gelten als wesentliche Maßnahmen der Qualitätssicherung:

  • die regelmäßige Reflexion des Handelns und die Evaluierung der Arbeit anhand der Zielsetzung der Einrichtung, der Erwartungen der Klientin/des Klienten und der Hilfeplanung (3)
  • systematische Dokumentation der Entwicklung von Mutter und Kind
  • Protokollierung von Teamsitzungen, Dienstbesprechungen, Gremienarbeit
  • Erstellung von Leistungsbeschreibungen als Grundlage für Leistungs-, Entgelt- und Prüfungsvereinbarungen mit dem Kostenträger.


7. Kooperation und Vernetzung

Die in der pädagogischen Arbeit gesetzten Ziele sind vielfach nur im gemeinsamen Handeln mit anderen Personen, Diensten und Einrichtungen zu erreichen. Hierzu zählt die konstruktive Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten, mit Vertretern von Jugendämtern, Schulen und Ausbildungsstätten, mit dem eigenen Träger, mit den Kirchengemeinden und weiteren Einrichtungen vor Ort.

Die Mutter-Kind-Einrichtungen in katholischer Trägerschaft sind auf Bundesebene zusammengeschlossen und arbeiten auf regionaler Ebene trägerübergreifend mit Mutter-Kind-Einrichtungen anderer Träger zusammen. Von der Zentrale des Sozialdienst katholischer Frauen werden regelmäßig Fortbildungen für MitarbeiterInnen und LeiterInnen von Mutter-Kind-Einrichtungen angeboten.


8. Öffentlichkeitsarbeit

Adressaten der Öffentlichkeitsarbeit sind Schwangere/Mütter (Väter), die über das Angebot der Einrichtung und die damit verbundenen Hilfen informiert werden. Darüber hinaus werden die vermittelnden Jugendämter und beratenden Dienste (wie z.B. die Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen) umfassend über das Hilfeangebot der einzelnen Einrichtungen mit den je unterschiedlichen Wohn- und Betreuungsformen informiert. Öffentlichkeitsarbeit vollzieht sich sowohl in Kurzkontakten oder intensiveren Gesprächen als auch auf dem Schriftwege (Prospekte, Konzeptionen, Jahresberichte etc.).

Ziel der Öffentlichkeitsarbeit ist auch der Abbau von Vorurteilen gegenüber sozial benachteiligten Schwan- geren/Müttern mit Kindern und damit eine bessere Integration dieser Familien im Gemeinwesen nach dem Auszug aus der Mutter-Kind-Einrichtung.


9. Rechtsgrundlagen

Die Rechtsgrundlagen der Hilfegewährung in einer Mutter (Vater)Kind-Einrichtung finden sich im

9.1 Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG/SGB VIII)

§ 19 SGB VIII bildet die vorrangige Rechtsgrundlage der Hilfegewährung.
Die Hilfen in gemeinsamen Wohnformen für Schwangere/Mütter/Väter und Kinder richten sich gleichberechtigt an die Eltern und Kinder. Die Anerkennung der Zwei-Generationen-Arbeit muß ihren Ausdruck in der Pflegesatzgestaltung/Finanzierung finden.

9.2 Bundessozialhilfegesetz (BSHG/SGB III)

Im Bundessozialhilfegesetz gibt es weitere gesetzliche Grundlagen für Hilfen für Mütter und Väter. Dies sind § 39 BSHG (Eingliederungshilfe für Behinderte, z.B. für seelisch und/oder geistig behinderte Schwangere/ Mütter) sowie § 72 BSHG (Hilfe für Personen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten).
Die Anträge auf diese Leistungen sind beim örtlich zuständigen Sozialamt zu stellen.

Die MitarbeiterInnen von Mutter-Kind-Einrichtungen in katholischer Trägerschaft geben Hilfestellung bei der Durchsetzung des Anspruchs auf Hilfegewährung.


(1) Renate Klees-Möller, Soziale Arbeit mit jungen Müttern, "Zur historischen Entwicklung und gegenwärtigen Situation von Mutter-Kind-Einrichtungen". Dortmunder Beiträge zur Pädagogik, Band 11, Borckmeyer-Verlage 1993, S. 43
(2) Die überwiegende Anzahl der Beschäftigten in Mutter-Kind-Einrichtungen sind Frauen; die im Text verwandte weibliche Form schließt alle männlichen Kollegen mit ein.
(3) Eine Zertifizierung der Einrichtungen (gem. ISO-Normen 2000ff) wird nicht angestrebt

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