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Mutter-Kind-Einrichtungen

Einführende Information

weiterführende Infos:

Vorwort

Gemäß § 19 SGB VIII sollen Mütter oder Väter, die allein für ein Kind unter 6 Jahren zu sorgen haben, in einer geeigneten Wohnform betreut werden, wenn und solange sie aufgrund ihrer Persönlichkeitsentwicklung dieser Form der Unterstützung bei der Pflege und Erziehung des Kindes bedürfen.

Bundesweit erhalten in ca. 80 Einrichtungen Schwangere/Mütter/Väter mit Kindern Wohn- und Betreuungs-angebote. Der überwiegende Teil dieser Einrichtungen befindet sich in kirchlicher (katholischer oder evangelischer) Trägerschaft.

Die sozialpädagogischen Unterstützungsangebote der hauptamtlichen Fachkräfte in Mutter-Kind-Einrichtungen umfassen

  • die Beratung, Unterstützung bzw. Betreuung von Schwangeren/Müttern und
  • die Betreuung, gezielte Förderung und den Schutz der Kinder.
  • Diese Arbeit mit zwei Generationen ist das spezifische Merkmal von Mutter-Kind-Einrichtungen!

Die Situation der Frauen

Die Auswertung der statistischen Erhebungen in Mutter-Kind-Einrichtungen in katholischer Trägerschaft ergab, dass im Jahr 2001 dort 636 Schwangere/Mütter mit 710 Kindern lebten.*

Anlass für die Aufnahme in eine Mutter-Kind-Einrichtung sind in der Regel Schwangerschaft bzw. Geburt eines Kindes. Fast die Hälfte der Frauen sind zum Zeitpunkt des Einzugs in die Mutter-Kind-Einrichtung schwanger. Die Ursachen dafür, dass die Hilfe in einer Mutter-Kind-Einrichtung erforderlich wird, sind aber vielschichtiger. Die Analyse der biographischen Daten und Familiengeschichten von Bewohnerinnen in Mutter-Kind-Einrichtungen zeigt, dass viele von ihnen bereits in der Kindheit schweren familiären Belastungen (wie Armut, Suchtabhängigkeit eines oder beider Elternteile, Gewalt/Missbrauch in der Familie etc.) ausgesetzt waren. Daraus resultierende Persönlichkeitsprobleme in Verbindung mit Problemen bei der Pflege und Erziehung des Kindes sowie Schwierigkeiten bei der Alltagsbew¦ltigung begründen häufig den Aufenthalt in einer Mutter-Kind-Einrichtung.

21% der Bewohnerinnen sind noch minderjährig und mit der Schwangerschaft bzw. der Lebenssituation als allein erziehende Mutter überfordert, zumal sie in dieser Altersphase in der Regel noch die Schule besuchen. Weitere 46,8% der Bewohnerinnen sind 18-24 Jahre alt und liegen damit erheblich unter dem Durchschnittsalter von Müttern bei der Geburt des 1. Kindes im Bundesgebiet.

Zu den vielschichtigen psychosozialen Problemlagen der Frauen kommt erschwerend hinzu, dass sie oftmals keinerlei Unterstützung in ihrem sozialen Umfeld (Ehepartner/Freund/Vater des Kindes, Herkunftsfamilie / Verwandtschaft, Freunde, KollegInnen etc.) erhalten und mit der Geburt des - meist ungeplanten - Kindes in wirtschaftliche Nöte geraten.

Ausländische Frauen sind in Mutter-Kind-Einrichtungen überproportional häufig vertreten (knapp 17% der Bewohnerinnen des Jahres 2001 waren Ausländerinnen; von ihnen stammten 12,4% aus Nicht-EG-Ländern). Infolge der kulturellen Unterschiede, z. T. erheblicher Sprachschwierigkeiten und rechtlicher Unsicherheiten ergeben sich daraus besondere Anforderungen an die Arbeit und das Zusammenleben.

Die Einrichtungen

“Die” typische Mutter-Kind-Einrichtung gibt es nicht; aufgrund unterschiedlicher geschichtlicher Entwicklungen, unterschiedlicher räumlicher Voraussetzungen, unterschiedlicher Standorte und Konzeptionen usw. hat jede Mutter-Kind-Einrichtung ihr eigenes “Gesicht”. Im Kontext gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen werden die Konzeptionen der Einrichtungen den Problemlagen und Bedürfnissen der Frauen in Not entsprechend kontinuierlich weiterentwickelt.

Hauptkriterien für die Unterscheidung bzw. Kategorisierung der verschiedenen Einrichtungstypen sind

  • die Wohnform und
  • die Intensität des Betreuungsangebotes.

Die Wohnformen unterscheiden sich grob darin, ob die Frauen mit ihren Kindern in einem Gruppenverbund zusammenleben oder in eigenen abgeschlossenen Appartements/Wohnungen mit ihren Kindern selbstständig leben. Die Intensität der Beratung und Betreuung reicht von alltagsstrukturierenden Hilfen, lebenspraktischer Anleitung und 24-stündiger Anwesenheit der MitarbeiterInnen in vollstationären Einrichtungen bis hin zu ambulanten Leistungsangeboten (z. B. Beratungsgesprächen, die nur ein- oder zweimal wöchentlich in der eigenen Wohnung der Frau stattfinden.

Viele Mutter-Kind-Einrichtungen differenzieren die Wohn- und Betreuungsangebote zunehmend auch intern, d. h. neben dem Wohnen im Gruppenverbund werden z. B. auch Appartements/abgeschlossene Wohneinheiten vorgehalten. In allen Einrichtungen ist die Betreuungsintensität in der Regel zum Zeitpunkt der Aufnahme besonders groß, während zum Ende der Maßnahme - mit Blick auf die Verselbstständigung von Mutter und Kind - den Frauen immer mehr Verantwortung für die selbstständige Lebensführung mit Kind überlassen wird. Bei Auszügen wird auf Wunsch der Frauen und soweit leistbar, zur Ablösung und Bewältigung der neuen Belastungsfaktoren Nachbetreuung angeboten.

Die BewohnerInnen werden von fachlich qualifizierten MitarbeiterInnen beraten und unterstützt. Die überwiegende Anzahl der MitarbeiterInnen hat ein Studium als SozialpädagogIn/SozialarbeiterIn abgeschlossen. Verlässliche Beziehungen zwischen den MitarbeiterInnen und den Bewohnerinnen sind Grundlage der pädagogischen Arbeit und Voraussetzung für persönliches Wachstum der Klientinnen. Für die Kinder sind oftmals ausgebildete ErzieherInnen zuständig.

Den MitarbeiterInnen wird regelmäßig Gelegenheit gegeben, an Fortbildungen und Arbeitskreisen teilzunehmen. Supervision ist für die sozialpädagogischen Fachkräfte in der Regel Bestandteil der Arbeit.

Die Mutter-Kind-Einrichtungen sind regional mit anderen Beratungsstellen (Ausländerberatung, Schuldnerberatung, Schwangerenberatung etc.), mit Ämtern (Jugendamt, Sozialamt, Wohnungsamt etc.), mit Ärzten und Krankenhäusern, Vereinen und Gruppierungen für allein Erziehende, anderen Einrichtungen für Kinder (Kindertagesstätten, Kinderkrankenhäuser, Kinderzentren etc.) und weiteren Institutionen vernetzt.

Überregional arbeiten MitarbeiterInnen verschiedener Mutter-Kind-Einrichtungen trägerübergreifend in Landesarbeitsgemeinschaften zusammen.

Auf Bundesebene treffen sich leitende MitarbeiterInnen der Mutter-Kind-Einrichtungen in katholischer Trägerschaft mindestens einmal jährlich zum fachlichen Austausch und zur Weiterbildung. Die zuständige Fachreferentin der Bundeszentrale des Sozialdienst katholischer Frauen kooperiert regelmäßig mit der zuständigen Referentin des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Zielsetzung der Arbeit

Grundsätzliche Zielsetzung der Arbeit ist die Entwicklung einer langfristigen eigenständigen Zukunftsperspektive für die Mütter und ihre Kinder. In den meisten Fällen geht es um die Entwicklung einer gemeinsamen Zukunftsperspektive.

Frauen, die sich bzgl. der weiteren Lebensplanung mit oder ohne Kind noch nicht klar sind, erhalten Hilfen bei der Entscheidungsfindung. Aufgrund der vielschichtigen Problemlagen der Frauen wird in den Fällen, in denen deutlich wird, dass sich keine stabile Mutter-Kind-Beziehung entwickelt oder die Mutter aller Voraussicht nach auch langfristig nicht in der Lage sein wird, die Versorgung und Erziehung des Kindes zu übernehmen, nach Alternativen gesucht. Jede vierte Mutter zieht inzwischen ohne ihr Kind aus der Mutter-Kind-Einrichtung aus, weil sie sich während des Aufenthaltes zur Inpflegegabe des Kindes entschlossen hat.

Leistungsschwerpunkte der Arbeit liegen in der Förderung

  • der Persönlichkeitsentwicklung der Schwangeren/Mütter
  • der Mutter-Kind-Beziehung und der Erziehungskompetenz der Mütter
  • der selbstständigen Haushaltsführung und Alltagsbewältigung und
  • der schulisch-beruflichen Ausbildung bzw. Aufnahme oder Fortsetzung
  • einer Erwerbstätigkeit.

In einem individuellen Hilfeplan oder einer Betreuungsvereinbarung (gemäß oder in Anlehnung an § 36 SGB VIII) werden die mit der Frau erarbeiteten Ziele der Arbeit schriftlich festgehalten, regelmäßig überprüft und weiterentwickelt. Dabei knüpfen die MitarbeiterInnen an den Erfahrungen und Stärken der Frauen an.

Die Bewohnerinnen erhalten Hilfe zur Überwindung individueller Probleme und erwerben Kompetenzen zur Versorgung und Erziehung des Kindes, in der Haushaltsführung und im Umgang mit Geld (Einteilung des Haushaltsgeldes, Geltendmachung von Leistungsansprüchen, Schuldenregulierung etc.).

Die MitarbeiterInnen motivieren die Frauen soweit sinnvoll zum Abschluss einer Ausbildung bzw. zur Aufnahme oder Fortsetzung einer Berufstätigkeit. Während des Aufenthaltes in den Mutter-Kind-Einrichtungen stehen dort Entlastungsangebote in der Kinderbetreuung und ergänzende Förderungsmöglichkeiten für die Kinder zur Verfügung. Umfassende und flexible Kinderbetreuungsangebote ermöglichen den Frauen die Fortführung von Ausbildung oder Erwerbstätigkeit und entlasten sie in der Alleinverantwortung für das Kind. Nach dem Auszug sind mit dem Mangel an Ganztagsangeboten zur Kinderbetreuung jedoch erhebliche Probleme bei der Vereinbarkeit von Kinderversorgung/-erziehung und Einkommenssicherung verknüpft. Mit Blick auf die Problemlagen der Frauen und die strukturellen Belastungen allein Erziehender in unserer Gesellschaft sowie die hohe Arbeitslosigkeit speziell von Müttern kleiner Kinder ist die eigenständige Sicherung des Lebensunterhaltes deshalb oftmals nicht realisierbar.

In vielen Fällen werden auch die Herkunftsfamilie bzw. Kindesväter und/oder Partner der Bewohnerinnen in die Beratungsprozesse einbezogen. In Gesprächen können die Konflikte in der Herkunftsfamilie oder Partnerschaft, die ggf. Auslöser für den Einzug in die Mutter-Kind-Einrichtung waren, bearbeitet werden. Auf Wunsch der Frauen, die in engen Beziehungen zu den Kindesvätern oder neuen Partnern leben und ggf. nach dem Auszug mit ihnen zusammenleben wollen, ist darüber hinaus die Einbeziehung der Partner in den Alltag möglich (Besuche, gemeinsame Freizeitgestaltung, Beteiligung an der Versorgung und Erziehung des Kindes, Paargespräche etc.).

Mutter-Kind-Einrichtungen bieten somit Lebens- und Lernperspektiven für Schwangere und Mütter in umfassenden Not- und Konfliktsituationen. Ausgehend von den komplexen Problemlagen der Frauen und aufbauend auf ihre vorhandenen Kompetenzen bietet der ganzheitliche Ansatz von Beratung und Betreuung den Bewohnerinnen die Chance, ein kritisches Lebensergebnis (die ungeplante Schwangerschaft/Mutterschaft und die Übernahme der Mutterrolle) positiv zu bewältigen.

Insbesondere für die Kinder bietet der Aufenthalt einer Mutter mit ihrem Kind in einer Mutter-Kind-Einrichtung die Chance, generationsübergreifende Kreisläufe von Nichtachtung, Gewalt oder Vernachlässigung zu durchbrechen.

Das Verzeichnis

Dieses Verzeichnis enthält die Anschriften sowie kurze Darstellungen von Einrichtungen für Schwangere/Mütter/Väter und mit Kindern in katholischer Trägerschaft.

Die Anschriften sind alphabetisch nach Bundesländern, Diözesen und Städten geordnet.

Am Schluss des Verzeichnisses sind in einer Tabelle Leistungsangebote von Einrichtungen, die vom Regelangebot abweichen (z. B. die Aufnahme psychisch kranker Frauen oder die Aufnahmemöglichkeit von Müttern mit mehreren Kindern) übersichtlich dargestellt.

Das Verzeichnis ist vorrangig gedacht für MitarbeiterInnen anderer sozialer Dienste, die Informationen über Wohn- und Betreuungsangebote für ihre KlientInnen suchen. Die Informationen, die dieses Verzeichnis enthält, können dabei hoffentlich eine erste Hilfe sein. Interessierte können sich mit Fragen gern direkt an einzelne Einrichtungen wenden und bei Bedarf dort ein Informationsgespräch führen. Für Rückfragen steht darüber hinaus die Referentin der SkF Zentrale in Dortmund zur Verfügung.

Auch für Kontakte zwischen den verschiedenen Mutter-Kind-Einrichtungen im Bundesgebiet sowie für die allgemeine Öffentlichkeitsarbeit ist dieses Verzeichnis hilfreich.


Petra Winkelmann
Dortmund, Februar 2003

* 2001 lebte kein Vater mit Kind in einer sozialpädagogisch betreuten Wohnform in katholischer Trägerschaft. Deshalb wird im Folgenden nur noch von Mutter-Kind-Einrichtungen gesprochen.


 

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