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Publikationen im SkF

Erste Informationen für künftige Adoptiv- und Pflegeeltern


Einleitung

Es gibt Menschen, die sich Kinder wünschen, aber keine bekommen können. Sie wenden sich an einen Adoptions- und Pflegekinderdienst, um ihren Wunsch über die Aufnahme eines fremden Kindes erfüllt zu bekommen. Daneben gibt es Familien, die leibliche Kinder haben und sich vorstellen können, Kinder aufzunehmen, die nicht in ihrer eigenen Familie aufwachsen können. Auch sie bewerben sich bei einem Adoptions- und Pflegekinderdienst.

Es gibt Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht für ihre Kinder sorgen können. Sie erteilen nach eingehender Information und Beratung durch die Fachkraft im Adoptions- und Pflegekinderdienst den Auftrag zur Vermittlung des Kindes. Dieser beinhaltet ihre Wünsche und Vorstellungen für das weitere Leben des Kindes. Für die vermittelnde Fachkraft ist es eine Verpflichtung, diese Wünsche bei der Wahl der aufnehmenden Familie zu berücksichtigen.

Es gibt Kinder, die Eltern brauchen. Dies sind weniger Kinder im Säuglingsalter als vielmehr Kinder im Kleinkind- und Schulalter mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen und Bedürfnissen.

Die Auseinandersetzung mit dem Kinderwunsch
- Der Bewerbungsprozess -


Die Kontaktaufnahme von Bewerbern zu dem Adoptions- und Pflegekinderdienst eines freien Trägers oder Jugendamtes hat eine - gesetzlich vorgeschriebene - Prüfung ihrer persönlichen Lebenssituation zur Folge. Bewerber fragen sich oft, warum sie ihren Wunsch nach einem Kind legitimieren müssen. Sie gehen zunächst einmal davon aus, für Elternaufgaben geeignet zu sein.

Im Bewerberverfahren ist neben einigen objektiven Kriterien der Eignungsprüfung (Alter, Berufstätigkeit, wirtschaftliche Absicherung, Familienstand, Konfession) gerade die Konfrontation mit dem eigenen Wunsch nach einem Kind ein wesentlicher Bestandteil des Bewerbungsprozesses. Für die Vermittlung ist die Auseinandersetzung mit folgenden Fragen von großer Bedeutung:

  • Warum will ich ein Kind?
  • Was will ich von dem Kind?
  • Welche Vorstellungen habe ich von einem Kind?
  • Was traue ich mir selber zu?
  • Können wir als Paar diese Form der Elternschaft (soziale Elternschaft) als lebenslangen Prozess annehmen?
  • Können wir mit der Existenz der Herkunftsfamilie leben?
  • Können wir den Eltern des Kindes offen begegnen?

Während die Frage nach dem "Warum" auf die Annahme der Kinderlosigkeit zielt, behandelt die Frage nach dem "Was" die Motive und Beweggründe des Kinderwunsches. Bei den Fragen "wie stelle ich mir das Kind vor" bzw. "was traue ich mir zu" geht es um Erwartungen an das Kind sowie um eigene Grenzen, Lebenserfahrungen und -einstellungen. Die Frage nach der sozialen Elternschaft spricht die Identität als Adoptiv- bzw. Pflegeeltern an.

Die Fragestellungen zur Lebensgeschichte der Bewerber werden in Einzel- sowie Gruppengesprächen bearbeitet. Der Bewerbungsprozess schließt neben den personenbezogenen auch themenbezogene Aspekte ein. Im Mittelpunkt steht hierbei die Auseinandersetzung mit der psychischen, sozialen und rechtlichen Lebenssituation von Kindern und ihren Lebensgeschichten.

In einem den Bewerbungsprozess abschließenden Gespräch wird das Ergebnis mit den Bewerbern erörtert und anschließend schriftlich dokumentiert (Sozialbericht).
Für die Bewerber beginnt die Wartezeit.

Die Einstellung auf das Kind
- Der Vermittlungsprozess -


Für die Herkunftsfamilie bedeutet die Vermittlung ihres Kindes in eine Adoptiv- bzw. Pflegefamilie die Trennung von ihrem Kind. Bis sie bereit und fähig ist, diesen Weg gehen zu können, hat sie in der Regel gemeinsam mit den Fachkräften des Adoptions- und Pflegekinderdienstes einen intensiven Auseinandersetzungsprozess durchlebt.

Hierbei werden folgende Inhalte besprochen:

  • Was sind die Gründe für die Abgabe des Kindes?
  • Wie sehen Mutter/Vater das Kind?
  • Was wünschen sie sich für ihr Kind?
  • Wie stellen sie sich Kontakt zum Kind vor?
  • Wie stellen sie sich die Adoptiv- bzw. Pflegeeltern vor? (Wohnort, Beruf, Religion, eigene Kinder)
  • Was erwarten sie von den Adoptiv- bzw. Pflegeeltern?
  • Wie möchten sie die Beziehung zu den Adoptiv- bzw. Pflegeeltern gestalten?

Ist die Entscheidung für eine Adoption bzw. Inpflegegabe gefallen, versucht die Fachkraft im Adoptions- und Pflegekinderdienst in Zusammenarbeit mit den beteiligten Personen - Eltern, Erzieher, Vormund, Großeltern - herauszufinden, welche Voraussetzungen die neuen Eltern mitbringen müssen, um angemessen auf das Kind eingehen zu können. Hierbei wird sie von folgenden Fragen geleitet:

  • Was braucht das Kind?
  • Wie gestaltet sich die momentane Lebenssituation des Kindes?
  • Von welchen Erfahrungen wurde das Kind bisher geprägt?
  • Was benötigt das Kind für seine gesunde Entwicklung?
  • Welche Vorstellungen/Phantasien von zukünftigen Eltern hat das Kind?

Die Entscheidung, welches Kind zu welchen Eltern vermittelt wird, hängt von vielen Faktoren ab. Die Aufgabe der Fachkraft im Adoptions- und Pflegekinderdienst ist es, die vorhandenen Bedürfnisse und Wünsche aufzunehmen und Adoptiv- und Pflegeeltern zu suchen, die diesen Anforderungen für das Kind möglichst nahe kommen. Daraus ergibt sich, dass Bewerbern keine Garantie für die Vermittlung eines Kindes gegeben werden kann.

Der Fachkraft des Adoptions- und Pflegekinderdienstes hat den Vermittlungsprozess soweit geklärt, dass sich aus den Wünschen, Vorstellungen und Abwägungen aller Beteiligten ein konkretes Paar herauskristallisiert hat.

Die abschließende Entscheidung für die Aufnahme eines bestimmten Kindes liegt bei den Adoptiv- und Pflegeeltern. Sie müssen sich entscheiden:

  • Entspricht das vorgestellte Kind ihren Wünschen und Vorstellungen?
  • Fühlen sie sich den Bedürfnissen, die das Kind mitbringt, gewachsen?
  • Können sie sich auf die Anforderungen der Herkunftsfamilie einlassen?

Wenn die Adoptiv- und Pflegeeltern sich für das Kind entschieden haben, kann die Kontaktanbahnung beginnen. Nachdem sie das Kind und ggf. das weitere Umfeld (Eltern, Großeltern, Heim, Pflegestelle) kennen gelernt haben, kann die Annäherung zwischen Adoptiv- bzw. Pflegeeltern und Kind beginnen. Diese Phase kann sich sehr unterschiedlich gestalten und endet mit der Aufnahme des Kindes in die Familie.

Die Bewältigung der anstehenden Fragen
- Der Beratungs- und Begleitungsprozess -


Für alle am Prozess Beteiligten finden einschneidende Veränderungen für ihre weitere Lebensgestaltung statt. Diese gehen oft mit Umstellungen, Verunsicherung, Ängsten, Trauer, aber auch Entlastung, Erleichterung und Freude einher.

Das Kind muss sich auf eine völlig neue Umgebung einstellen. Es lernt die neuen Eltern mit ihren Vorlieben, Stärken, Schwächen kennen. Es muss sich ggf. gegenüber Geschwistern behaupten und sich mit den neuen Normen, Regeln und Werten wie den alltäglichen Erfordernissen zurechtfinden.

Die Herkunftseltern sollten die Bereitschaft entwickeln, ihr Kind in eine neue Beziehung gehen zu lassen. Sie sollten Vertrauen in ihre Entscheidung setzen, dass das Kind in der neuen Familie seinen Weg machen kann. Sie sollten Adoptiv- und Pflegeltern als Mutter und Vater für ihr Kind akzeptieren.

Die Adoptiv- und Pflegeeltern müssen sich auf veränderte Beziehungen einstellen. Sie sollten Toleranz und Verständnis für die Situation der Herkunftseltern mitbringen. Sie sollten ein hohes Maß an Offenheit für die Gefühle des Kindes, die der Verlust der bisherigen Bezugsperson auslöst (Angst, Wut, Trauer), aufbringen. Sie müssen für sich eine neue Position in der Familie finden und dazu stehen.

In allen beschriebenen Prozessen können Irritationen und Verunsicherungen auftreten. Alle Beteiligten haben die Möglichkeit, sich Hilfe, Unterstützung und Beratung bei den Fachkräften der Adoptions- und Pflegekinderdienste zu holen.

Die Adoptions- und Pflegekinderdienste bieten kontinuierliche Unterstützung durch Beratung und Begleitung in Form von Einzel- bzw. Familiengesprächen, Hausbesuchen und Gruppenarbeit zu Fragen

  • der Erziehung und Entwicklung,
  • der Integration,
  • der Identitätsfindung,
  • der gesundheitlichen Entwicklung,
  • der Gestaltung der Kontakte zur Herkunftsfamilie,
  • des Pflegegeldes,
  • in rechtlich unklaren Situationen,
  • in Krisensituationen.

Darüber hinaus unterstützen die Fachkräfte bei der Vermittlung von therapeutischen Angeboten.

Die Aufnahme eines Kindes bedeutet für alle Beteiligten einen lebenslangen Prozess, der Begleitung und Beratung je nach Alter des Kindes in unterschiedlicher Intensität erfordert.

Hierfür stellen die Adoptions- und Pflegekinderdienste ihre Hilfe zu Verfügung.

Gedanken von Adoptiv- und Pflegeeltern

Der Austausch mit vielen Adoptiv- und Pflegeelternbewerbern bzw. -familien hat deutlich gemacht, dass viele ein Kind aufnehmen wollen, um eine "richtige" Familie zu sein.

"Für mich gehören Kinder zum Leben dazu."

"Wir sind eine Familie geworden. Vorher waren wir nur ein Ehepaar."

"Wir sind eine 'ganze' Familie geworden."

"Ein neues Lebensgefühl hat sich entwickelt."

Sie möchten die Anforderung, die ein Kind an sie stellt, annehmen und dadurch ihrem Leben mehr Sinn und Erfüllung geben. Viele Frauen geben dafür gerne ihre Berufstätigkeit auf.

"Durch unsere Kinder bekam unsere Lebensbeziehung neuen Inhalt und neue Ziele."

"Es ist lustiger und schöner geworden, es ist 'Leben in der Bude'. Man erinnert sich oft an die eigene Kindheit. Der geordnete Haushalt ist nicht mehr so wichtig".

"Wir sind eine lebendige Familie. Unser Leben wird um Glück, Verantwortung und Liebe bereichert."

"Ich habe meinen Beruf aufgegeben und bin jetzt Hausfrau und Mutter.
Die Rollen im Haus sind neu verteilt worden."

Das gesamte Beziehungsgeflecht verändert sich. Der Freundeskreis, ebenso die Freizeitgestaltung und Alltagsroutine werden durch das Kind mitbestimmt.

"...die Karten der Beziehung in dieser Dreierkonstellation sind völlig neu gemischt worden. Auch die eheliche Beziehung hat sich verändert und unterliegt weiterhin Veränderungen."

"Die Kinder sind absolut in den Mittelpunkt gerückt. Tagesablauf und Freizeit richten sich nach den Wünschen und Möglichkeiten der Kinder."

Die soziale Elternschaft, die Hoffnung, Mutter und Vater zu sein, hat sich erfüllt, allerdings bringt dies auch viele Belastungen mit sich, die so im vorhinein nicht gesehen wurden. Der geheime Wunsch nach einem problemlosen Kind erfüllt sich nicht immer.

Häufig berichten Adoptiv- und Pflegeeltern von Ängsten, den Anforderungen, die das Kind an sie stellt, nicht gewachsen zu sein, dem Kind nicht die volle Wahrheit über seine Herkunft sagen zu können und folglich vom Kind nicht angenommen zu werden.

"Bei unserer 'Großen' bleibt die Sorge, ob wir ihr wirklich gerecht werden können.
Die ersten Lebensjahre haben sie stark geprägt. Reicht das, was wir ihr geben können,
um alles zu verarbeiten und nachzuholen?"

"Um einem 'Problemkind' zu helfen, muss ich immer nach Möglichkeiten suchen
bzgl. Therapien, medizinischer und psychologischer Betreuung."

"Die heimliche Angst, vielleicht, trotz starkem Wunsch nach einem Kind,
das Kind nicht so annehmen zu können bzw. zu lieben."

"Nicht mit der Frage fertig zu werden: Du bist doch meine Mama?"

"Dass sie zu ihren früheren Eltern zurück möchte."

Die Problembewältigung allerdings bringt die Chance zu wachsen und die Freude, Herausforderungen gemeistert zu haben.

"Kompromisse schließen ist angesagt.
Man überdenkt eigene festgefahrene Positionen."

"Die spezielle Situation unserer Kinder fordert Aktivitäten und Entscheidungen, die keiner aus dem Bekanntenkreis teilt. Dadurch bekommt unser Zusammenhalt auch besonderes Gewicht."

"Wir Eltern haben Gottvertrauen gelernt und Wunder erlebt. Unser Glaube hat sich vertieft. Wir sind voller Freude und Dankbarkeit und spannend ist es auch."
 

(Die Zitate sind der Adoptiv- und Pflegeelternbefragung, die die Zentrale Fachstelle der katholischen Adoptions- und Pflegekinderdienste im Sommer 1995 durchgeführt hat, entnommen.)

Herausgeber : Sozialdienst katholischer Frauen Gesamtverein e. V. -
Zentrale Fachstelle für Adoptions-/Auslandsadoptions- und Pflegekinderdienste in katholischer Trägerschaft

Agnes-Neuhaus-Strasse 5, 44135 Dortmund
Tel. 0231 - 55 70 26-0 , Fax 0231 - 55 70 26 60
E-Mail info@skf-zentrale.de

verantwortlich: Jacqueline Kauermann-Walter
unter Mitarbeit von: Bernward Gauly, Claudia Iland,
Zentraler Arbeitskreis der katholischen Adoptions- und Pflegekinderdienste

Diese Broschüre wurde mit Mitteln des
Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
gefördert.


2. unveränderte Auflage, August 1999


nach Beratung und Hilfe  – Adoptions- und Pflegekinderdienst

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