Spenden und Helfen

Publikationen im SkF

Betreuung nach dem Betreuungsgesetz
im Sozialdienst katholischer Frauen


Einführung

Der Sozialdienst katholischer Frauen e. V. ist ein Frauen- und Fachverband in der katholischen Kirche, der sich der Hilfe für Kinder, Jugendliche, Frauen und ihre Familien in besonderen Lebenslagen widmet.

Bereits seit Gründung des SkF (1899) ergab sich eine Schwerpunktsetzung in der Vormundschaftsarbeit (Betreuung nach BtG). Dieses Aufgabengebiet zählt zu seinen satzungsgemäßen Aufgaben. Mit Änderung des BGB durch das Betreuungsgesetz wurden die Vormundschaften und Pflegschaften in Betreuungen umgewandelt. Der Bedarf an Betreuungen wächst - nicht zuletzt aufgrund der demographischen Entwicklung - ständig.

Während zu Beginn des Jahrhunderts nach der von Agnes Neuhaus, der Gründerin des SkF, entwickelten Konzeption der organisierten Einzelvormundschaft gearbeitet wurde, spielen später die Vereinsvormundschaften und -pflegschaften eine größere Rolle. Bei der rechtlichen Ausgestaltung dieser Organisationsform war ebenso wie bei der organisierten Einzelvormundschaft Agnes Neuhaus beteiligt. Zunächst wurden die Vereinsvormundschaften und -pflegschaften von Mitgliedern des Vereins ehrenamtlich geführt, später übernahmen auch die beruflich tätigen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter diese Aufgabe.

Seit dem 01.01.1992 ist das Gesetz zur Reform des Rechts der Vormundschaft und Pflegschaft für Volljährige - Betreuungsgesetz (BtG) - in Kraft getreten.

Die Betreuung kann erfolgen durch:

  • Einzelpersonen
  • Betreuungsvereine oder
  • Behörden

Zu den Einzelpersonen gehören auch die hauptamtlichen Vereinsbetreuer.

Der SkF ist ein Betreuungsverein. Er bietet Betreuungen sowohl als Betreuungsverein als auch durch Einzelpersonen wie hauptamtliche Mitarbeiter/innen und ehrenamtliche Mitarbeiter/innen an.

 

Betreuungsverein SkF

 

ehrenamtlicheBetreuung

 

hauptamtliche Betreuung
 

organisierte Einzelbetreuung
 

Vereinsbetreuer als
Einzelbetreuer

Vereinsbetreuung (Verein ist als
juristische Person bestellt)




Ziel der Betreuungsarbeit ist es, den hilfebedürftigen Menschen im Rahmen seiner Möglichkeiten zu Selbständigkeit und Selbstverantwortlichkeit zu führen.
Notwendige Eingriffe orientieren sich an der Erforderlichkeit.

Rechtsgrundlagen

Rechtsgrundlage für die Bestellung eines Betreuers ist § 1896 BGB

    "Kann ein Volljähriger aufgrund einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung seine Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht besorgen, so bestellt das Vormundschaftsgericht auf seinen Antrag oder vom Amts wegen für ihn einen Betreuer".

Der Betreuer wird für einen oder mehrere Aufgabenkreise bestimmt. Denkbare Aufgabenkreise sind z.B. Rentenangelegenheiten oder medizinische Behandlung. Die umfassendste Form der Betreuung bezieht sich auf alle persönlichen und finanziellen Angelegenheiten des Betreuten einschließlich der gesetzlichen Vertretung in beiden Bereichen. Dies ist nur ausnahmsweise möglich.
Zu jedem Aufgabenkreis kann erforderlichenfalls ein Einwilligungsvorbehalt vom Gericht angeordnet werden.

Dies bedeutet, dass auf diesen Aufgabenkreis bezogene Willenserklärungen des Betreuten nur mit der Einwilligung des Betreuers wirksam werden.

Zielgruppen

Ein großer Teil der Personen, die Hilfe durch eine Betreuung benötigen, gehört zur Gruppe der chronisch psychisch Kranken.
Ihre Erkrankung verläuft zumeist in Phasen oder Schüben. In dieser Situation ist ein besonderes Ausmaß an Hilfe nötig. Eine weitere große Gruppe ist aufgrund altersbedingter psychischer Veränderungen hilfebedürftig.
Diese Gruppe der geronto-psychiatrischen Patienten muss mit Orientierungseinschränkungen leben und leidet unter mehr oder minder großer Isolation sowie eingeschränkter Selbständigkeit. Hinzu kommen begrenzte physische bzw. psychische Belastbarkeit - oft verbunden mit körperlicher Gebrechlichkeit und Funktionsverlust.
In der Gruppe der Suchtkranken werden Menschen betreut, die aufgrund ihrer Erkrankung bereits körperlich, geistig und in ihrem Sozialverhalten stark abgebaut sind. Menschen, die aufgrund geistiger Behinderung eine Betreuung benötigen, haben angeborene oder frühkindlich erworbene Intelligenzdefekte verschiedener Schweregrade.

Allen betreuten Gruppen ist gemein, dass man nicht von vornherein von umfassender Hilfebedürftigkeit ausgehen kann. Fast alle Klienten verfügen über mehr oder weniger ausgeprägte Ressourcen zur Lebensgestaltung, die die Betreuerin oder der Betreuer nutzen und deren Erhalt bzw. Entwicklung gefördert werden kann.

Ehrenamtliche Betreuung - organisierte Einzelbetreuung

Agnes Neuhaus, die Gründerin des SkF, hat in der Vormundschaftsarbeit eine eigene Organisationsform entwickelt -, die "organisierte Einzelvormundschaft".

Diese originäre Form der Vormundschaftsarbeit des SkF ist heute wieder sehr aktuell und genießt über den Verband hinaus fachliche Anerkennung und hat auch im BtG ihren Niederschlag gefunden.

In der organisierten Einzelbetreuung werden ehrenamtliche Betreuer vermittelt, die den hilfebedürftigen Menschen als individuelle Bezugsperson zur Verfügung stehen. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen leisten ihre Aufgabe jedoch nicht isoliert und auf sich allein gestellt, sondern in enger Rückbindung an den jeweiligen Ortsverein des SkF. Hier werden sie angeleitet und erhalten die notwendige fachliche Unterstützung und Begleitung durch Sozialarbeiter/innen.
Zudem sind sie in evtl. Haftungsfällen durch Sammelversicherungen abgesichert.

Hauptamtliche Betreuung

Es ist davon auszugehen, dass sich geeignete ehrenamtliche Einzelbetreuer nicht immer in ausreichender Zahl finden lassen.
In diesen Fällen werden hauptamtliche Mitarbeiter/innen des Vereins mit der Führung von Vereinsbetreuungen und Einzelbetreuungen beauftragt. Darüber hinaus obliegt ihnen die Werbung, Schulung und Begleitung der ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen im Sinne der organisierten Einzelbetreuung.
Die hauptamtlichen Mitarbeiter/innen sind Fachkräfte, in der Regel Sozialarbeiter/innen.

Prognose

Es ist langfristig eine Zunahme an betreuungsbedürftigen Menschen zu erwarten. Aus dieser Entwicklung ergibt sich die Notwendigkeit, verstärkt geeignete Personen für das Amt einer Betreuung zu suchen, sie für die Betreuungsarbeit zu motivieren und während ihrer Tätigkeit kontinuierlich fachlich zu begleiten und zu beraten.

Für eine fachlich qualifizierte Betreuungsarbeit, die den einzelnen Hilfebedürftigen im Blick hat und eine personale Beziehung zwischen Betreuer und Betreuten ermöglicht, wird die hauptamtliche Betreuung nach wie vor unverzichtbar und wertvoll sein.

Daneben ist in der Gesellschaft ein Umdenkungsprozess erforderlich, um die Einstellung der Bevölkerung zu ihren psychisch Kranken, geistig Behinderten und geronto-psychiatrisch erkrankten Mitgliedern zu verbessern und die Bereitschaft zu stärken, Hilfe zu leisten.
Es muss bewusst gemacht werden, dass jeder einmal von Betreuungsbedürftigkeit betroffen werden kann.

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