Spenden und Helfen

Frühe Hilfen

Die Geburt eines Kindes ist ein wundervolles Geschenk und bedeutet für die Eltern in der Regel tief empfundenes Glück. Doch gerade die Zeit nach der Geburt stellt besondere Anforderungen an alle Eltern. Umstellung des Zeitrhythmus auf den Rhythmus des Kindes, organisatorische Planungen und Klärungen der gemeinschaftlichen elterlichen Haltung in Bezug auf Hygiene, Pflege und Erziehung erfordern eine immense Anpassungs-leistung an die veränderten Umstände.

In den letzten Jahren haben die Herausforderungen für Familien zugenommen. So sind etwa die Erwartungen an die Eltern gestiegen, was die Erziehungs- und Betreuungsleistung anbetrifft, aber auch wie ein Kleinkind richtig zu ernähren, zu pflegen und zu mobilisieren ist. Die Familienstrukturen der heutigen Elterngenerationen zeigen sich ebenfalls verändert gegenüber denen unserer Großelterngeneration. Oftmals sind die eigenen Eltern oder Geschwister nicht in unmittelbarer örtlicher Nähe wohnhaft, so dass eine Unterstützung in der Familie gegeben wäre. Diese Veränderungen werden in der Regel durch andere soziale Beziehungen aufgefangen, um hier auch einen Rückhalt und eine Bestätigung gerade in dieser sensiblen Phase zu finden.

Darüber hinaus versuchen Eltern, ihrem Wunsch nach Realisierung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf nachzugehen und treffen häufig auf ungenügende Rahmenbedingungen, die dieser entgegenstehen.
Die eigenen und von außen an die Eltern gestellten Erwartungen und weitere Aspekte der psychosozialen Situation stellen Belastungsfaktoren für das Familienleben dar, die sich unterschiedlich manifestieren:

  • zunehmende Unsicherheit bei Pflege, Ernährung und medizinischer Betreuung des Kindes angesichts der Empfehlungen der Kinderärzte, diverser Elternratgeber und auch des wachsenden medizinischen Wissens im sozialen Umfeld; es wachsen die Erwartungen an Früherkennung von Krankheiten, früher Entgegenwirkung von möglichen motorischen Beeinträchtigungen und die Vorstellung einer ausgewogenen Ernährung und Pflege.
  • Schlafprobleme des Kindes führen zu einer Belastung im eigenen Schlafrhythmus der Eltern und natürlich auch zu Unsicherheiten in Bezug auf die Ursachen der Schlafprobleme.
  • Die psychischen Erkrankungen von Elternteilen nehmen zu. Ungefähr jede zehnte Frau leidet nach der Geburt an dauerhafteren und schweren postnatalen Depressionen oder Wochenbettpsychosen, die noch Wochen nach der Entbindung beginnen können. Nur 20 Prozent der depressiven Mütter nehmen professionelle Hilfe in Anspruch.
  • Sind vor der Geburt in der eigenen Lebensgestaltung und auch in der Partnerschaft keine Konfliktbewältigungsstrategien erarbeitet worden, sind sie natürlich auch nach der Geburt des Kindes nicht vorhanden und können hier den Umgang mit dieser besonderen Situation deutlich erschweren.
  • Ebenfalls belasten ungelöste Probleme in der Partnerschaft die Eltern nach der Geburt ggfls. sehr, da sich hier Mutter und Vater gegenseitig unterstützen müssen und hierfür eine vertrauensvolle und geklärte Beziehung die beste Ausgangslage wäre.
  • Finanzielle Not, Armut und Existenzängste in der Familie belasten diese dauerhaft. Nach dem zweiten Armuts- und Reichtumsbericht (2005) waren z. B. ein Viertel der allein erziehenden Mütter im ALG II-Bezug. Sie gehören damit zu den am stärksten von Armut bedrohten Familien. Neben den Ein-Eltern-Familien sind kinderreiche Familien mit Migrationshintergrund unter allen Haushalten mit Kindern besonders stark von Armut betroffen.
  • Suchterkrankungen der Eltern, wie z. B. Drogen oder Alkoholabhängigkeit sind immense Belastungen für die Familien.
  • Ein ungeklärter Aufenthaltsstatus, soziale Isolation und persönliche Schwierigkeiten im Umgang mit Behörden kommen als Belastungsfaktoren hinzu.

Der SkF Gesamtverein hat im Januar 2008 ein auf drei Jahre befristetes Präventionsprojekt „Guter Start ins Leben“ gemeinsam mit den Ortsvereinen Frankfurt, Freiburg und Neuss gestartet. Möglich wurde das Projekt durch Mittel einer privaten Stiftung. Mit diesem Modellprojekt will der SkF sein Angebot im Bereich der Frühen Hilfen ausbauen. Die bereits bestehenden Hilfeangebote der SkF-Ortsvereine, wie etwa die Schwangerschaftsberatung, Kindertagesbetreuung, Hilfen zur Erziehung etc., sollen miteinbezogen und um diesen Ansatz ergänzt werden. Im Rahmen des Projekts werden zusätzlich Erfahrungen und Erkenntnisse weiterer SkF Ortsvereine, die im Bereich Frühe Hilfen tätig sind, zusammengeführt mit dem Ziel, einen konzeptionellen Rahmen für die Arbeit des SkF bundesweit in diesem Feld zu entwickeln. Das Projekt wird dank der Unterstützung der Aktion Mensch durch die Westfälische Wilhelms-Universität Münster wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Bei nachgewiesener Wirksamkeit soll eine Implementierung der Frühen Hilfen als Bestandteil des regulären Angebots der SkF Ortsvereine und der damit erforderlichen Finanzierung durch das Gesundheits- und Sozialwesen erreicht werden.


Guter Start ins Leben

In den letzten Jahren ist sowohl das politische als auch das gesellschaftliche Fenster geöffnet worden, sich auch mit Unterstützungsangeboten an Familien mit Kindern im Alter bis zu drei Jahren zu wenden. Derzeit werden bundesweit verschiedene Projekte und Ansätze erprobt, die sich alle in dem Bereich "Frühe Hilfen" zusammenfassen lassen. Die Ziele früher Hilfen stellen sich wie folgt dar:

  • positives Aufwachsen von Kindern ermöglichen und unterstützen
  • Stärkung der Bindung zwischen Mutter/ Eltern und dem Kind
  • Entlastung, Anerkennung und Stärkung der Mütter/ Eltern
  • Entlastung durch konkrete Hilfen bei der Lebensführung
  • Einbindung in ein stabilisierendes soziales Umfeld
  • Stärkung der Erziehungskompetenz der Eltern
  • Prävention von psychischen, körperlichen und sozialen Störungen und Defiziten bei Kindern
  • Gefährdung von Kleinstkindern durch präventive Maßnahmen entgegenwirken

Momentan wird häufig in diesem Zusammenhang auch der Begriff der sozialen Frühwarnsysteme genannt. Da es wichtig ist, die Frühen Hilfen von den sozialen Frühwarnsystemen abzugrenzen, hat die SkF Zentrale gemeinsam mit dem deutschen Caritasverband eine Begriffsbestimmung dazu verfasst. Frühe Hilfen: denn auf den Anfang kommt es an …

Dokumentation der Fachtagung „Frühe Hilfen rechnen sich – und wie!?“ am 18./19. November 2009 in Bensberg


Kontakt: Bettina Prothmann prothmann@skf-zentrale.de, Dr. Petra Kleinz kleinz@skf-zentrale.de

Weitere Informationen:

  • 12.10.10 Interview/Radio zum Thema „Frühe Hilfen“, dradio/Deutschlandfunk, mit Frau Schiff, Projektleiterin „Guter Start ins Leben“ im SkF Neuss: http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/10/13/dlf_20101013_0517_458c1ad5.mp3
     
  • Projekt „Caritasnetzwerk Frühe Hilfen“
    Die Arbeitsergebnisse des Projektes wurden u. a. in Form einer Arbeitshilfe „Caritasnetzwerk Frühe Hilfen. Arbeitshilfe“, Juni 2010, aufbereitet und besteht aus zwei CDs. CD 1 „Arbeitsschritte und Ergebnisse …“ bietet Materialien, die aus der Praxis der im Projekt mitwirkenden Standorte heraus entwickelt wurden und örtlich für den Auf- und Ausbau von Angeboten Früher Hilfen genutzt werden können. CD 2 „Arbeitsmaterialien Frühe Hilfen“ enthält eine Zusammenstellung von Fachbeiträgen, Konzepten, Veröffentlichungen zu Veranstaltungen zu grundlegenden und spezifischen Fragestellungen Früher Hilfen. Kosten 6,00 Euro incl. MwSt und Porto. Bezug: Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln, Tel. 0221 2010-0, E-Mail
    fruehehilfen@caritasnet.de.
     
  • "Frühe Hilfen Aufgaben, Möglichkeiten und Grenzen der Kinder- und Jugendhilfe in der Kooperation mit der Gesundheitshilfe"
    Die Ständige Fachkonferenz 1 des Deutschen Instituts für Jugend- und Familienrecht (DIJuF) hat unter dem Titel "Frühe Hilfen Aufgaben, Möglichkeiten und Grenzen der Kinder- und Jugendhilfe in der Kooperation mit der Gesundheitshilfe"  eine Stellungnahme zu den Frühen Hilfen verfasst und unter Berücksichtigung der Fachdebatte eine Systematisierung vorgenommen sowie Eckpunkte für eine Weiterentwicklung formuliert. Diese Stellungnahme ist zur Information beigefügt.
     
  • Literatur
    Das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) hat eine neue Publikation herausgegeben: das „Werkbuch Vernetzung. Chancen und Stolpersteine interdisziplinärer Kooperation und Vernetzung im Bereich Früher Hilfen und im Kinderschutz“. Das Werkbuch enthält praktische Tipps zur Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Gesundheitsdiensten. Download
    Zu bestellen unter:
    www.bzga.de/infomaterialien/fruehehilfen/werkbuch-vernetzung/
     
  • Begriffsbestimmung Frühe Hilfen vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen verabschiedet
    Die Begriffsbestimmung wurde auf der 4. Sitzung vom Wissenschaftlichen Beirat des NZFH verabschiedet. Sie wurde von ihm gemeinsam mit dem NZFH erarbeitet und mit dem Fachbeirat des NZFH besprochen. Die Begriffsbestimmung spiegelt den derzeitigen Stand der Diskussion über Frühe Hilfen wider.
    Die Definition finden Sie unter: http://www.fruehehilfen.de/4010.0.html

     
  • Orientierungspapier „Frühe Hilfen in der Katholischen Schwangerschaftsberatung“
    Die aktuelle Diskussion um Kindesvernachlässigung und Kindeswohlgefährdung hat die Verantwortung der Gesellschaft, Kinder besser als bisher zu schützen, ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Zahlreiche Initiativen sind entstanden mit dem Ziel, Kindeswohlgefährdung in einem „Netzwerk Früher Hilfen“ vorzubeugen. Die rasante und dynamische Entwicklung in diesem Arbeitsfeld macht es notwendig, dass Profil der professionellen Beratungsdienste und Einrichtungen diesbezüglich näher zu bestimmen und deren Aufgaben, Kompetenzen und Ressourcen zu beschreiben. Die Fachbereiche Schwangerschaftsberatung von SkF und DCV haben hierzu ein Arbeitspapier „Frühe Hilfen in der Katholischen Schwangerschaftsberatung“ erstellt, das der Orientierung und fachlichen Diskussion dienen soll. Es beschreibt einerseits Angebote sogenannter „Früher Hilfen“ im Rahmen der Schwangerschaftsberatung, andererseits die Rolle und besonderen Merkmale der Katholischen Schwangerschaftsberatung als
    ein Fachdienst im Netzwerk Früher Hilfen. Das Papier kann angefordert werden unter 0231-557026-16/-17
     
  • Frühe Hilfen - Stärkung von Kindern und ihren Familien
    ZdK Vollversammlung am 22. November 2008
    © Gaby Hagmans, Sozialdienst katholischer Frauen Gesamtverein e. V.
     
  • Beteiligung des SkF an Aktion des Bonifatiuswerkes
    Der SkF Gesamtverein beteiligt sich an der Aktion „Ein Engel für Dich - Tauftaschen“ des Bonifatiuswerkes. Im Frühjahr werden bundesweit den Pfarrgemeinden für einen Unkostenbeitrag in Höhe von 10,00 Euro Tauftaschen angeboten. Diese sollen kostenlos an Eltern, die ihr Kind taufen lassen, verteilt werden. Die Tauftaschen enthalten unter anderem eine Kinderbibel, ein Lätzchen, ein T-Shirt, eine CD mit Kinderliedern und Elternbriefe. Als zusätzliche Beilage hat der SkF Gesamtverein einen Flyer entwickelt, der über die vielfältigen Angebote der SkF Ortsvereine für junge Familien informiert.
    Ansicht
     
  • Fachinformation Guter Start ins Leben
     
  • Auf den Anfang kommt es an. SkF baut sein Angebot im Bereich der Frühen Hilfen aus
    erschienen in SALZkörner, 14. Jg., Nr. 4, 29.08.2008
    http://www.zdk.de/salzkoerner/



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