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Arbeit mit allein Erziehenden im SkF

Konzeption für die Arbeit mit Alleinerziehenden im Sozialdienst katholischer Frauen - Überblick

Vorbemerkung

  • 1.   Der Sozialdienst katholischer Frauen
  • 2.   Ziele der Arbeit
  • 3.   Probleme allein Erziehender und Hilfen durch den SkF
      • 3.1  Sozioökonomische Probleme
      • 3.2  Psycho-soziale Probleme
        • Isolation
        • Erziehungsprobleme bzw. Probleme in der Beziehung zum Kind
        • Partnerschaftsprobleme
        • Probleme mit der Herkunfsfamilie
        • Überlastung
      • 3.3  Sozialpädagogisch betreute Wohnformen für Alleinerziehende und ihrer Kinder
  • 4. Öffentlichkeitsarbeit

Ausblick


Vorbemerkungen

Die vorliegende Konzeption zur "Arbeit mit Alleinerziehenden im Sozialdienst katholischer Frauen" hat das Ziel, haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Verbandes Orientierungshilfen zu geben und die Arbeit im Fachgebiet der Öffentlichkeit transparenter zu machen.

Es handelt sich nicht um eine Musterkonzeption, sondern um eine an der praktischen Arbeit orientierte und theoretisch-reflektierte Beschreibung der Arbeit im Fachgebiet.

Die Hilfen für Alleinerziehende in den Ortsgruppen des Sozialdienst katholischer Frauen sind natürlich entsprechend den örtlichen Bedingungen unterschiedlich ausgestaltet und sollen durch diese Konzeption nicht eingegrenzt werden.

Selbstverständlich ist auch eine laufende Aktualisierung der Hilfeangebote entsprechend den sich wandelnden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Lebenssituationen und Problemen der Alleinerziehenden und ihrer Kinder erforderlich. (Die vorliegende Konzeption bezieht sich auf den Stand der Arbeit im Jahre 1989.)

Durch die in der Konzeption genannten Problemlagen Alleinerziehender und ihrer Kinder könnte der Eindruck entstehen, dass dieser Personenkreis zu einer "Problemgruppe" stigmatisiert wird. Deshalb soll hier ausdrücklich darauf hingewiesen sein, dass die Ein-Elternteil-Familien keine "problematische Gruppe" bilden, sondern die Lebensbedingungen von Alleinerziehenden und ihren Kindern die durch das Scheitern der Partnerschaft bedingte aktuelle Krise in aller Regel verschärfen und verlängern.

Insbesondere die Situation alleinerziehender Mütter ist infolge der traditionellen geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung noch ungünstiger als die alleinerziehender Väter, so dass der Sozialdienst katholischer Frauen als Frauenfachverband gefordert ist, alleinerziehenden Frauen und ihren Kindern Beratung und Hilfe anzubieten.


1. Der Sozialdienst katholischer Frauen

Der Sozialdienst katholischer Frauen ist als Fachverband der Jugendhilfe, der Gefährdetenhilfe und der Hilfe für Frauen und Familien in besonderen Notlagen und Konfliktsituationen dem Deutschen Caritasverband an- geschlossen. Der Gesamtverein Sozialdienst katholischer Frauen umfasst die in Deutschland z. Zt. besteh- enden 227 Ortsgruppen mit ihren Einrichtungen und den Sozialdienst katholischer Frauen - Zentrale e. V.

Im Sozialdienst katholischer Frauen engagieren sich sowohl ehrenamtliche Mitarbeiter/innen als auch hauptamtliche Fachkräfte; die Kooperation beider Gruppen, die gegenseitige Unterstützung und Ergänzung sind tragende Elemente des Verbandes.

Zu den Aufgaben des Vereins gehören u. a. die Beratung und Hilfe für Frauen und Familien in besonderen Not- und Konfliktsituationen und die Arbeit mit Alleinerziehenden.

Der Sozialdienst katholischer Frauen erfüllt seine Aufgaben im Sinne christlicher Caritas und der katho- lischen Lehre. Im Bereich der Arbeit mit Alleinerziehenden unterstützen wir die Erklärung des Zentral- komitees der deutschen Katholiken zur Lebenssituation der Alleinerziehenden und ihrer Kinder in Kirche, Staat und Gesellschaft - "Alleinerziehend, aber nicht alleingelassen" - vom 28. Mai 1984, in der es heißt:
"Eine intensive Beschäftigung mit der Lage der Ein-Elternteil-Familien muss selbstverständlich die besonderen sozialen, beruflichen, finanziellen, schulischen Schwierigkeiten, die für Alleinerziehende und ihre Kinder bestehen, möglichst genau erfassen und der breiten Öffentlichkeit bewusst machen. Wir sollten alles einsetzen, damit die Mütter und Väter, die die Verantwortung für ein Kind oder für mehrere Kinder allein zu tragen haben, die gesellschaftspolitische Rücksicht und Hilfestellung erfahren, die es ihnen möglich macht, ihre Kinder ohne dauernde Nachteile aufzuziehen.


2. Ziele der Arbeit

Hauptziel der Arbeit mit Alleinerziehenden im Sozialdienst katholischer Frauen ist es, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Dies setzt voraus, dass sich die Hilfeangebote an den Problemen und Bedürfnissen der betreuten Alleinerziehenden und ihrer Kinder orientieren. "Das Bedürfnis eines Menschen nach Hilfe und Unterstützung lässt sich nicht allein anhand quantitativer Daten wie Einkommen, Wohnverhältnis oder Anzahl der Kinder bestimmen, sondern hängt wesentlich von der subjektiven Bewertung der eigenen Lage ab. Damit wird die Wahrnehmung der persönlichen Situation insbesondere durch internalisierte Wertmaßstäbe, Rollenvorstellungen und soziale Vergleichsprozesse beeinflusst und kann sich im Laufe der Zeit verändern (1). In die Arbeit mit Alleinerziehenden müssen demzufolge neben ihren im Vergleich zu anderen Familien objektiv schlechteren Lebensverhältnissen auch die subjektiven Wertungen einbezogen werden. In den Fällen, in denen eine mittel- oder längerfristige Betreuung notwendig ist, kommt der persönlichen Beziehung zwischen der hauptamtlichen bzw. ehrenamtlichen Mitarbeiterin und der alleinerziehenden Mutter oder dem alleinerziehenden Vater hohe Bedeutung zu: das Gefühl verstanden und akzeptiert zu werden, ist die Voraussetzung dafür, dass die Alleinerziehenden ihre Probleme offen ansprechen und daran arbeiten können.

Ziel unserer Hilfen ist es, Alleinerziehende darin zu unterstützen, ihre Probleme selbst lösen zu können, sie in ihrer Selbständigkeit und in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken und sie zu befähigen, den Bedürfnissen des Kindes oder der Kinder gerecht zu werden.

Alle Hilfen für Alleinerziehende sind vom Grundsatz her als befristete Angebote zu betrachten, während langfristig immer die Integration als Familie in die Gesellschaft beabsichtigt wird.

Im Interesse der Alleinerziehenden arbeitet der Sozialdienst katholischer Frauen - soweit leistbar und sinnvoll - mit anderen Verbänden und Institutionen zusammen, um die Hilfeangebote zu koordinieren und zu vernetzen.

(1) aus: Erika Neubauer "Alleinerziehende Mütter und Väter - eine Analyse der Gesamtsituation", Bonn 1988, S. 79


3. Probleme Alleinerziehender und Hilfen durch den SkF

Die Ein-Elternteil-Familien in der Bundesrepublik Deutschland bilden keineswegs eine homogene Gruppe, sondern leben abhängig von dem Familienstand des alleinerziehenden Elternteils, der Kinderzahl und dem Alter der Kinder, dem Einkommen etc. unter sehr verschiedenen Bedingungen.

Gemeinsam ist ihnen die Tatsache, dass ein Elternteil (zumindest vorübergehend) allein mit dem minderjährigen Kind/den minderjährigen Kindern lebt und die Verantwortung überwiegend alleine zu tragen hat. Entscheidende Bedingungen für die Bewältigung der neuen Lebenssituation sind die Ursachen für das Entstehen der Ein-Elternteil-Familie (ledige Mutterschaft, Trennung/Scheidung oder Tod des Partners) und das Vorhandensein bzw. Fehlen sozialer Stützsysteme insbesondere in der Familie oder im nahen Umfeld. Nachfolgend sollen unter Einbeziehung der Erfahrungen der praktischen Arbeit in den Ortsgruppen und Einrichtungen des Sozialdienst katholischer Frauen die sozioökonomischen und die psychosozialen Bedürfnisse sowie die gesellschaftliche Situation der Alleinerziehenden unter besonderer Berücksichtigung des Klientels des Sozialdienst katholischer Frauen beschrieben werden. Die vorgenommene Trennung der Problembereiche ist rein formal - in der Realität sind sie miteinander verknüpft, beeinflussen und verstärken sich wechselseitig.


3.1. Sozioökonomische Probleme

Rechtliche, materielle, berufliche und Wohnungsprobleme von Ein-Elternteil-Familien sind eng miteinander verbunden.

Bei der Kontaktaufnahme alleinerziehender Mütter mit den Mitarbeiterinnen des Sozialdienst katholischer Frauen stehen häufig konkrete juristische Fragen im Vordergrund; die Alleinerziehenden sind in ihrem sozialen Umfeld und seitens der Behörden oft widersprüchlichen Informationen über die Rechtslage und Verwaltungspraxis ausgesetzt. Ihre Zukunft mit einem nichtehelichen Kind bzw. als geschiedene oder verwitwete alleinerziehende Mutter wirft eine Vielzahl an Problemen auf (Möglichkeiten zur Beendigung der Schul- oder Berufsausbildung? Sicherung des Lebensunterhaltes als nichteheliche Mutter oder nach der Trennung bzw. Scheidung? Unsicherheiten des beruflichen Wiedereinstiegs etc.), die zu großer Verunsicherung und Zukunftsängsten führen kann.

In verschiedenen Untersuchungen (2) wurde die wirtschaftliche Benachteiligung Alleinerziehender und ihrer Kinder belegt. Besonders betroffen sind ledige, in der Regel besonders junge Mütter, die noch nicht im Beruf stehen und getrenntlebende/geschiedene Elternteile, bei denen in der Regel die Unterhaltszahlungen als Einkommen nicht ausreichen. So bleibt vielen Alleinerziehenden nur die Alternative zwischen der Inanspruchnahme von Sozialhilfe oder einer eigenen Vollzeit-Erwerbstätigkeit. Schriftliche Befragungen der Mitarbeiter/innen in den Ortsgruppen und Einrichtungen des Sozialdienst katholischer Frauen, die mit Alleinerziehenden arbeiten (in den Jahren 1986 und 1987 durchgeführt) ergaben, dass finanzielle Schwierigkeiten bis hin zur Verschuldung sowohl hinsichtlich der Häufigkeit als auch hinsichtlich des Ausmaßes der Problembelastung an erster Stelle stehen.

Die materiellen Probleme sind oft eng mit der beruflichen Situation verknüpft: Alleinerziehende sind beson- ders häufig von Arbeitslosigkeit betroffen (3). Während 1985 10,8 % aller verheirateten Mütter arbeitslos oder arbeitssuchend waren, betrug die Zahl der Arbeitslosen bzw. Arbeitssuchenden bei den alleinstehenden Müttern 30,9 %. Besonders deutlich ist der Rückgang der Erwerbstätigkeit bei den ledigen Müttern, von denen 1972 86 % berufstätig waren gegenüber nur noch 56 % im Jahre 1985.

Ursachen der hohen Arbeitslosigkeit dürften neben der geringen beruflichen Qualifikation Probleme bei der Vereinbarkeit von familiären- und beruflichen Aufgaben sein. Schwierigkeiten bei der gleichzeitigen Bewältigung beider Funktionen betreffen auch diejenigen Mütter, die sich noch in der Ausbildungsphase befinden bzw. an einer Umschulungsmaßnahme o. ä. teilnehmen. Alleinerziehende Mütter kommen in einen Teufelskreis, wenn Arbeitgeber/Mitarbeiter des Arbeitsamtes vor der Vermittlung einen Nachweis über eine sichergestellte Kinderbetreuung verlangen und ein Platz in einer Kindertageseinrichtung den Müttern erst dann zur Verfügung gestellt wird, wenn sie eine Arbeitsbescheinigung vorlegen können.

In der Bundesrepublik Deutschland mangelt es derzeit noch erheblich an Betreuungsangeboten für Kinder aus Ein-Elternteil-Familien. Da Betreuungsangebote für Kinder unter 3 Jahren z. B. kaum vorhanden sind, sind viele Alleinerziehende gezwungen, die Betreuung ihrer Kinder selbst zu übernehmen (d. h. nicht berufstätig zu sein und von Sozialhilfe leben zu müssen) oder informelle Hilfen (z. B. von ihren eigenen Eltern) anzunehmen, die u. U. jedoch nicht verlässlich und langfristig einplanbar sind (4) (5) (6).

Eng verknüpft mit den materiellen Möglichkeiten Alleinerziehender ist auch deren Wohnsituation: Aufgrund des geringen Einkommens der Ein-Elternteil-Familien kommen günstig gelegene und gut ausgestattete Wohnungen häufig wegen der Höhe der Mieten für sie nicht in Betracht. Außerdem werden Ein-Elternteil-Familien bei der Wohnungssuche immer noch diskriminiert: Überall dort wo die Nachfrage das Angebot übersteigt, kann beobachtet werden, dass Vermieter andere Personengruppen (mit gutem Verdienst, ohne Kinder etc.) bevorzugen. Infolgedessen müssen Alleinerziehende mit ihren Kindern häufig auf wenig attraktive Wohnungsangebote zurückgreifen; Ein-Elternteil-Familien sind in sozialen Brennpunkten deutlich überrepräsentiert (7). Dies bedeutet für die Sozialisation von Kindern in Ein-Elternteil-Familien zusätzlich, dass sie in beengten Wohnverhältnissen und einem ungünstigen Wohnumfeld aufwachsen und u. U. schon die Nennung der eigenen Adresse (z. B. in der Schule) Stigmatisierungsprozesse begünstigt.

Im sozioökonomischen Bereich werden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Sozialdienst katholischer Frauen folgende Hilfen geleistet:

  • Informationsvermittlung und Beratung über rechtliche Ansprüche (z. B. Scheidungs- und Unterhaltsrecht, Bundessozialhilfegesetz, Mutterschutzgesetz, Bundeserziehungsgeldgesetz etc.)
  • ggf. Unterstützung bei der Beanspruchung und Durchsetzung der eigenen Rechte (Prüfung amtlicher Bescheide wie z. B. Sozialhilfebescheid, Wohngeldbescheid, Unterhaltsbescheid usw.; ggf. Einlegen von Widersprüchen; ggf. Begleitung zu Ämtern, Gerichtsverhandlungen etc.; evtl. gemeinsame Gespräche mit Arbeitgebern bei angedrohter Kündigung usw.
  • Auskünfte allgemeiner Art z. B. über besondere Hilfen und Angebote im örtlichen Bereich
  • Vermittlung finanzieller Hilfen (z. B. Spenden, Stiftungsgelder etc.) und Vermittlung von Sachhilfen
    (z. B. Kleidung, Möbel, Elektrogeräte, Spielzeug etc.)
  • ggf. Entschuldungshilfen (gemeinsames Formulieren von Briefen an Gläubiger, Verhandlungen mit Versicherungen und Banken, Aufstellen eines Finanzplanes und Erarbeitung wirtschaftlichen Verhaltens etc.)
  • Unterstützung bei der Suche nach Wohnraum (gemeinsames Studieren oder Aufgeben von Annoncen, Begleitung bei der Wohnungssuche, ggf. Anmietung von Wohnraum durch den SkF und Weitervermietung an alleinerziehende Frauen etc.)
  • Unterstützung bei der Arbeitssuche (z. B. gemeinsames Formulieren eines Bewerbungsschreibens, Einüben von Vorstellungsgesprächen, Lesen von Stellenanzeigen etc.)
  • Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Kinderbetreuungsmöglichkeiten, damit Berufstätigkeit oder Schul- und Berufsausbildung möglich werden (z. B. Krippenplatz, Kindergartenplatz, Tagesmutter o. ä.)
  • einige SkF-Ortsgruppen sind Träger von Kindertagesstätten oder Kinderkrippen mit bedarfsgerechten Öffnungszeiten (z. B. Frühdienst ab 6.00 Uhr und Spätdienst bis 18.00 Uhr)
  • Öffentliches Engagement für den bedarfsgerechten Ausbau von Kinderbetreuungsangeboten (Verhandlungen mit Stadt und Kreis, Information des Jugendwohlfahrts-Ausschusses über die dringende Notwendigkeit von Kinderbetreuungsangeboten für Alleinerziehende etc.)

Die Erfahrung zeigt, dass viele Betroffene sehr erleichtert sind, wenn sie Gesprächspartner/innen finden, mit denen sie über ihre Probleme sprechen können und die fachkundigen Rat wissen.

Das Vertrauen der Alleinerziehenden zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des SkF wächst auch, wenn sie die konkrete lebenspraktische Unterstützung spüren. Auf der Grundlage dieser Vertrauensbeziehung bringen die Alleinerziehenden dann auch häufig ihre psycho-sozialen Probleme vor.

(2) Vgl. Erika Neubauer, a. a. O., S. 33 ff.;
 (3) Vgl. Erika Neubauer, a. a. O., S. 139;
(4) Vgl. Stellungnahme des Deutschen Caritasverbandes "Veränderte Lebenswirk- lichkeiten der Kinder - Auftrag der Caritas - Jugendpolitische Forderungen" vom 10. Oktober 1989;
(5) Vgl. Stellungnahme des "Sozialdienst katholischer Frauen" zum Entwurf Sozialgesetzbuch (SGB - Jugendhilfe) vom 28. November 1988;
(6) Vgl. Empfehlungen des Deutschen Vereins zur Berücksichtigung der besonderen Belange alleinerziehender Mütter und Väter, Frankfurt 1989;
(7) Vgl. Erika Neubauer, a. a. O., S. 51



3.2. Psycho-soziale Probleme

Isolation

Viele der vom Sozialdienst katholischer Frauen betreuten Alleinerziehenden leben sehr isoliert. Ursachen dieser Isolation sind u. a.:

  • Verlust des Bekanntenkreises oder familiärer Bindungen bei Trennung vom Partner oder Scheidung bzw. bei Wohnortwechsel bei nichtehelicher Schwangerschaft/Geburt des Kindes
  • Verlust der Wohnung, Umzug in eine neue Wohnung (wenn ein Verbleib am bisherigen Wohnort wegen der Geburt eines Kindes oder der Trennung vom Partner nicht mehr möglich ist)
  • mangelndes Verständnis im sozialen Umfeld bei Konfliktschwangerschaften lediger Frauen
    kein Geld für die Freizeitgestaltung (Abendunternehmungen sind außerdem nicht möglich, weil das Geld für die Bezahlung einer Person, die die Kinder betreut, fehlt)
  • Enttäuschung und Depression über das Scheitern der Partnerbeziehung und Zukunftsängste bewirken u. U. Rückzugstendenzen
  • gesellschaftliche Diskriminierung Alleinerziehender verhindert ihre soziale Integration...

Befragungen von Alleinerziehenden im Verhältnis zu verheirateten Eltern und ihren Kindern haben ergeben, dass einerseits die durchschnittliche Haushaltsgröße reduziert ist (geringere Kontaktmöglichkeiten innerhalb der Familie) und andererseits die sozialen Beziehungen zu Personen außerhalb des eigenen Haushaltes (Verwandte, Nachbarn, Berufskollegen etc.) bei den Alleinerziehenden geringer sind.

"Alle dargestellten Ergebnisse zum sozialen Verhalten belegen übereinstimmend die niedrige Kontaktintensität und die geringe Partizipation an sozialen Aktivitäten von Ein-Elternteil-Familien. Außer selteneren Zusammenkünften mit Nachbarn, Freunden, Bekannten und Verwandten werden auch weniger Veranstaltungen besucht, hinzu kommt ein Defizit an Freizeitaktivitäten und eine Tendenz, sich in die eigenen vier Wände zurückzuziehen. Aus diesen Tatsachen wird ersichtlich, wie schwierig es für Alleinerziehende ist, den überwiegend abwesenden oder nicht mehr vorhandenen Partner durch andere Bezugspersonen auszugleichen oder den Kindern die Umweltoffenheit sowie Anregungsbedingungen zu vermitteln, die für das Hineinwachsen in eine pluralistische Gesellschaft notwendig erscheinen (8).

So geraten Alleinerziehende u. U. in einen Teufelskreis: Wegen des Scheiterns der Partnerbeziehung und der damit verbundenen Konflikte sind sie enttäuscht und deprimiert und ziehen sich zurück. Weil sie sich zurückziehen erhalten sie wenig Zuspruch von außen und keine konkreten Hilfen im Alltag. Dies wiederum verstärkt ihre Enttäuschung, führt zu Überlastung und Depression...

(8) aus: Erika Neubauer, a. a. O., S. 63


Erziehungsprobleme bzw. Probleme in der Beziehung zum Kind

Probleme in diesem Bereich sind einerseits darauf zurückzuführen, dass die Kinder durch die Trennung vom nichtsorgeberechtigten Elternteil bzw. durch die dieser Trennung vorausgegangenen Konflikte in der Familie Belastungen ausgesetzt wurden und sind, infolge deren sie Reaktionsweisen zeigen, die von den Eltern und/oder anderen Bezugspersonen im sozialen Umfeld als problematisch empfunden werden (regressive und/oder aggressive Verhaltensweisen, Absinken schulischer Leistungen, Ängstlichkeit etc.). Andererseits fühlen sich alleinerziehende Eltern aber auch dadurch belastet, dass sie die Verantwortung für das Kind bzw. die Kinder allein zu tragen haben und auch die Alltagsentscheidungen ihnen völlig allein überlassen bleiben.

Verschärft wird die Situation zudem dadurch, dass die alleinerziehenden Elternteile gerade kurz nach der Trennung vom Partner, dem Tod des Partners oder der Geburt eines nichtehelichen Kindes häufig selbst in eine Lebenskrise geraten, die es ihnen erschwert, angemessen auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen und auf ihre Verhaltensweisen verständnisvoll zu reagieren. Nachträglich haben alleinerziehende Mütter und Väter nicht selten Schuldgefühle gegenüber den Kindern, woraus ggf. neue Erziehungsschwierigkeiten resultieren können.

Die Beziehung nichtehelicher Mütter zu ihren Kindern gestaltet sich nach den Erfahrungen der Mitarbeiter/innen des SkF nicht selten über Jahre hinweg ambivalent: Einerseits haben die Frauen ihre Kinder angenommen und ausgetragen, andererseits machen sie sie für Einschränkungen der eigenen Lebenssituation und -perspektive verantwortlich. Besonders in den Fällen, in denen ledige Mütter sich unbewusst ein Kind gewünscht haben (z. B. um den Partner zu halten, um das eigene Erwachsensein zu dokumentieren, um einen verlässlichen Liebespartner zu haben o. ä.) ergeben sich nach der Geburt des Kindes häufig Pro- bleme, weil das Kind die (unbewussten) Erwartungen nicht erfüllen kann.


Partnerschaftsprobleme

Die hohe Wiederheiratungs-Quote alleinerziehender Elternteile zeigt, dass eine Vielzahl von ihnen sich trotz des Scheiterns der ersten Partnerschaft wieder eine feste Beziehung zu einer anderen erwachsenen Person wünscht. In einer repräsentativen Umfrage gaben über 50 % aller alleinerziehenden Mütter und Väter bezogen auf ihre Hoffnungen und Wünsche für die Zukunft an, sich ein Familienleben mit neuem Partner und guten Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder zu wünschen (9). Dabei wird jedoch von einigen Alleinerziehenden zu wenig reflektiert, dass die Gründe für das Scheitern der ersten Beziehung (Kommunikations- und Konfliktunfähigkeit, überhöhte Erwartungen und Ansprüche an die Beziehung, materielle Not etc.) auch in der neuen Beziehung voraussichtlich zu Konflikten führen werden und somit die unbefriedigende eigene Lebenssituation nicht allein durch eine neue Partnerschaft verbessert werden kann - im Gegenteil, die neuen Beziehungen sind durch die Schwangerschaft bzw. vorhandene Kinder noch zusätzlich belastet.

Mangelndes Selbstwertgefühl, die (auch heute noch reelle) gesellschaftliche Aufwertung von Frauen durch einen Mann, das Bedürfnis nach liebevoller Zuwendung, nach Nähe und Bestätigung als Frau (und die Unfähigkeit, diese Bedürfnisse auf anderen Wege zu befriedigen) führen ggf. auch zu unüberlegten sexuellen Kontakten.

Wichtig wäre, dass die alleinerziehenden Frauen wieder Selbstwertgefühl entwickeln und lernen, Konflikte konstruktiv zu bewältigen, ehe sie eine neue Partnerschaft eingehen.

(9) Vgl. Anneke Napp-Peters "Ein-Elternteil-Familien", Weinheim u. München 1985, S. 128


Probleme mit der Herkunftsfamilie

Alleinerziehende - besonders junge alleinerziehende Mütter oder berufstätige alleinerziehende Frauen - sind oft erst mit Unterstützung von seiten ihrer Herkunftsfamilien in der Lage, ihr Leben mit dem Kind zu bewältigen. Obwohl die betroffenen Frauen in der Regel sehr dankbar für die Unterstützung sind (finanzielle Zuwendungen, Hilfe bei der Kinderbetreuung, Entlastung im Haushalt etc.) geraten sie dadurch nicht selten in eine Abhängigkeit von ihren Eltern und fühlen sich ihnen gegenüber auch dann zur Dankbarkeit verpflichtet, wenn sie mit dem Verhalten ihrer eigenen Eltern nicht einverstanden sind (z. B. von ihnen bevormundet werden o. ä.).

Noch problematischer ist jedoch die Situation der Frauen, die von ihren eigenen Eltern keinerlei Hilfestellung erhalten sondern lediglich mit Vorwürfen und Beschuldigungen überhäuft werden. Gerade in ländlichen Gegenden reagieren die Eltern einer jungen Frau häufig sehr ablehnend auf die ledige Mutterschaft oder die Trennung/Scheidung vom Partner, weil sie selbst Angst vor gesellschaftlicher Diskriminierung haben.

Viele der vom Sozialdienst katholischer Frauen betreuten Alleinerziehenden haben keinerlei Beziehungen mehr zu ihrer Herkunftsfamilie und müssen ohne verwandtschaftliche Kontakte und Hilfen auskommen; andere entstammen Familien mit großen sozialen Schwierigkeiten, die keine Stütze für die alleinerziehenden Mütter bedeuten, sondern oft zusätzliche Belastungen bringen.


Überlastung


Die zuvor genannten Belastungen (Vereinbarkeit von Beruf und Versorgung/Erziehung der Kinder, finanzielle Probleme, Versagensgefühle und Zukunftsängste infolge der gescheiterten Partnerschaft, Erziehungsschwierigkeiten etc.) führen oft zu einer Überlastung der Alleinerziehenden, die in Unzufriedenheit und nicht selten psychosomatischen Beschwerden mündet.

Doch gerade gesundheitliche Beeinträchtigungen und Krankheiten der Eltern oder Kinder sind besondere Belastungsfaktoren für Ein-Elternteil-Familien. Einerseits fürchten Alleinerziehende um ihren Arbeitsplatz, wenn sie wegen eigener oder der Erkrankung des Kindes mehrfach fehlen, andererseits steht niemand für die Versorgung kranker Kinder zur Verfügung (bei Krankheit können sie auch Kindergarten und Schule nicht mehr besuchen) und bei Erkrankung des alleinerziehenden Elternteils ist die Versorgung der Kinder akut gefährdet.

Die Hilfen des Sozialdienst katholischer Frauen im psychosozialen Problembereich umfassen Einzelbe- treuungen, verschiedene Formen der Gruppenarbeit und sozialpädagogisch betreute Wohnformen.
 

  • Einzelbetreuungen
  • Einzelbetreuungen können über einen kurz-, mittel- oder langfristigen Zeitraum gewährt werden. Ziel ist - wie generell bei allen Hilfen - die Hilfe zur Selbsthilfe im Sinne von Ausnutzung vorhandener Eigenpotentiale, d. h. den Frauen soll nur soviel Hilfe wie unbedingt nötig gewährt werden und soviel Selbstverantwortung wie möglich belassen bleiben.

    Im Rahmen der Einzelbetreuungen werden u. U. auch Bezugspersonen wie Eltern, Freunde oder Ehepartner einbezogen.

      Kurzfristige Einzelbetreuung beinhaltet Beratung, Information, Orientierungshilfen, u. U. Weitervermittlung an andere Einrichtungen.

      Mittelfristige Betreuung schließt die Inhalte der kurzfristigen ein und bietet der Klientin einen gewissen Schutzraum und Sicherheit durch länger andauernde persönliche Zuwendung der Beraterin und Vermittlung konkreter Hilfen (vgl. Punkt 3.1, S. 5).
      Längerfristige Einzelbetreuung bedeutet oft eine nicht unbedingt kontinuierliche Einzelbe- ratung, d. h. erfahrungsgemäß nehmen einige Klientinnen erst dann sozialpädagogische Hilfe in Anspruch, wenn sie massive Probleme auf allen Ebenen haben. Die Betreuung dient dann dazu, eine weitere Verschlechterung der Lebensbedingungen (z. B. durch Obdachlosigkeit, Inhaftierung o. ä.) zu verhindern.

       

  • Gruppenarbeit
  • Die verschiedenen Formen von Gruppenarbeit sollen neben dem Abbau der Isolation zum Erleben von Gemeinschaft, gegenseitigem Verständnis und wechselseitiger Hilfe dienen und insgesamt zur Ent- lastung im Alltag und Stabilisierung des Selbstwertgefühls beitragen.

    Die Bereitschaft einer Alleinerziehenden an einer Gruppe teilzunehmen ist ein erster Schritt zur Bewältigung von Isolation und Vereinsamung. Dennoch kommt für einen Teil der Klientinnen des SkF Gruppenarbeit nicht in Betracht, da sie nicht willens oder in der Lage sind sich einer Gruppe anzuschließen.

    Die Gruppen werden von ehren- und/oder hauptamtlichen Mitarbeiter/innen des Sozialdienst katho- lischer Frauen aufgebaut und begleitet. Sie bieten ein Übungsfeld für soziales Lernen, aufeinander

    Zugehen, eigene Wünsche und Erwartungen artikulieren, Erleben wechselseitiger Wertschätzung etc.. Außerdem tragen Gruppenangebote wesentlich zur Entlastung der Kinder bei, da die Mütter/ Väter hier Gelegenheit haben, ihre Probleme mit anderen Erwachsenen zu besprechen (statt die Kinder dafür in Anspruch zu nehmen).

    In der Praxis hat es sich als günstig erwiesen, wenn die Gruppentreffen wöchentlich stattfinden und von 2 Mitarbeiterinnen gemeinsam geleitet werden (was aufgrund der geringen Personalkapazität leider oftmals nicht möglich ist).

    Drei besonders häufig praktizierte Formen der Gruppenarbeit sollen nachfolgend kurz dargestellt werden:
     

  • Problemorientierte Gruppenarbeit
    Ziele problemorientierter Gruppenarbeit sind z. B.

    Analyse der jetzigen Lebenssituation und der Perspektiven von Mutter und Kind (Leben mit dem Kind, Inpflegegabe oder u. U. Adoptionsfreigabe o. ä.)

    Reflexion der Situation als alleinerziehende Mutter, d. h. oft Alleinverantwortliche in der Versorgung und Erziehung des Kindes/der Kinder

    Stärkung des Selbstwertgefühls in dieser Rolle

    Bearbeitung der gescheiterten Partnerbeziehung

    Aufarbeitung der eigenen Biographie und der Beziehung zur Herkunftsfamilie
     
     
  • Freizeitgruppen

    Gruppenangebote, bei denen es vorwiegend um die gemeinsame Gestaltung der Freizeit geht, sind zunächst aus der Perspektive der Klientinnen unverbindlicher.
    Ziele von Freizeitgruppen sind - neben dem Abbau der Isolation - z. B

    abwechselungsreiche und preiswerte Möglichkeiten der Freizeitgestaltung - auch mit Kindern - anzubieten

    Erfahrung von Freude und Fröhlichkeit

    gemeinsames Reisen (an Wochenenden und im Urlaub)

    gemeinsames Feiern von Festen (Weihnachten, Silvester etc.), an denen sonst die Einsamkeit besonders schmerzlich erlebt wird.

     
  • Gruppen für alleinerziehende Mütter mit Säuglingen und Kleinkindern

    Derartige Gruppen werden häufig von Mitarbeiterinnen von Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen angeboten und haben folgende Zielsetzungen:

    Aufarbeiten eines möglicherweise ursprünglichen Gedankens an einen Schwangerschaftsabbruch und damit u. U. zusammenhängenden Schuldgefühlen gegenüber dem Kind

    Aufarbeitung der eigenen aktuellen Befindlichkeit (Geburt des Kindes, Beziehung zum Kind, Unsicherheiten bei der Versorgung des Kindes, Alleinzuständigkeit in der Erziehung etc.)

    Entwicklung und Erziehung des Kindes zu besprechen

    die Mutter-Kind-Beziehung zu fördern durch Anleitung zur Beschäftigung mit dem Kind (z. B. Baby-Massage, Kontaktspiele und Singspiele für Kleinstkinder etc.)
     
    Unsicherheiten in der neuen Lebenssituation abzubauen und Perspektiven für sich und das Kind zu entwickeln.
     

3.3 Sozialpädagogisch betreute Wohnformen für Alleinerziehende und ihrer Kinder

Sozialpädagogisch betreute Wohnformen bieten schwangeren Frauen in Notsituationen und Müttern mit Kleinkindern, die aufgrund materieller, persönlicher, sozialer und/oder emotionaler Schwierigkeiten sozialpädagogischer Hilfe bedürfen Wohn- und Lebensmöglichkeiten. Es gibt Einrichtungen mit intensiver sozialpädagogischer Betreuung ("rund um die Uhr") und solche Häuser, in denen Schwangeren/Müttern mit Kindern, die tendenziell in der Lage sind, eigenverantwortlich zu leben, sozialpädagogische Beratung gewährt wird (10).

Entsprechend den individuellen Fähigkeiten und Defiziten werden den Frauen dort folgende Hilfen angeboten:

  • Einübung in Pflege und Versorgung des Kindes
  • Klärung und Förderung der Mutter-Kind-Beziehung
  • Anleitung in praktischen Fragen des Alltags (Kochen, Wäschepflege, Umgang mit Geld etc.)
  • Stabilisierung der Persönlichkeit und Förderung des Durchhaltevermögens der Bewohnerinnen (z. B. bezogen auf die Beendigung der Ausbildung oder die Einarbeitung in eine Arbeitsstelle) etc..

Soweit die Mütter aufgrund ihrer eigenen Probleme noch nicht in der Lage sind, die Entwicklung ihrer Kinder zu fördern, erhalten sie bei der Pflege, Erziehung und Förderung des Kindes Unterstützung durch die Mitarbeiterinnen der Einrichtungen.

Der Sozialdienst katholischer Frauen ist derzeit Träger von 20 Mutter-Kind-Einrichtungen, von denen 11 eine intensive Betreuung gewährleisten und 9 größere Selbständigkeit der Bewohnerinnen voraussetzen. In den größeren Einrichtungen (mit mehreren Abteilungen) ist es in der Regel möglich, den Bewohnerinnen schritt- weise immer mehr Eigenverantwortung zu überlassen (Binnendifferenzierung).

(10) Vgl. Empfehlungen des Deutschen Vereins: Hilfegewährung in Mutter-Kind-Einrichtungen, Frankfurt 1988



4. Öffentlichkeitsarbeit

Mitarbeiter/innen des Sozialdienst katholischer Frauen wirken auf örtlicher-, überörtlicher- und Bundesebene in Gremien mit, in denen die Belange Alleinerziehender zur Diskussion stehen (Pfarrgemeinderat, Stadtrat, Zusammenarbeit mit anderen katholischen oder nicht katholischen Verbänden, Engagement der Arbeitsgemeinschaft Interessenvertretung Alleinerziehende - AGIA etc.).

Ziel ist es

  • über die Situation alleinerziehender Mütter/Väter und ihrer Kinder zu informieren und die Mitmenschen in Kirche und Gesellschaft für ihre Problemlagen zu sensibilisieren
  • Vorurteile und Diskriminierung von Ein-Elternteil-Familien abzubauen und ihre Integration (z. B. in die Pfarrgemeinde) zu fördern
  • zu praktischen Hilfeleistungen anzuregen (z. B. Förderung der Nachbarschaftshilfe, Unterstützung Alleinerziehender in Krankheitsfällen, zeitweise Entlastung alleinerziehender Mütter/Väter von der Kinderbetreuung etc.)
  • gesellschaftspolitische Veränderungen anzustreben und zu unterstützen, die das Leben mit Kindern besonders für alleinerziehende Eltern erleichtern (flexiblere Arbeitszeiten, familiengerechter Wohnungsbau, Ausbau institutioneller Kinderbetreuungsmöglichkeiten etc.).

Neben der Mitwirkung in Gremien versuchen die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Sozialdienst katholischer Frauen auch durch Presse- und Medienarbeit, durch Zusammenarbeit mit anderen sozialen Diensten, durch Formulierung und Anforderung von sozialpolitischen Verbesserungen gegenüber Parteien und Ministerien etc. die o. g. Ziele zu verwirklichen.

Die Wahrnehmung der Aufgaben im Bereich Öffentlichkeitsarbeit erfolgt analog zur Verbandsstruktur

  • auf Bundesebene (in Sachausschüssen, kirchlichen und/oder öffentlichen Gremien etc.) von der zuständigen Referentin in der Zentrale des Sozialdienst katholischer Frauen in Dortmund
  • auf überörtlicher Ebene von der zuständigen Diözesanreferentin bzw. dem zuständigen Diözesanreferenten oder entsandten haupt- oder ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und
  • auf örtlicher Ebene von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der SkF-Ortsgruppen, Beratungsstellen und Einrichtungen.


Ausblick

Zukünftig muss verstärkt versucht werden, Alleinerziehende möglichst frühzeitig zu erreichen und zu beraten, um eine Verfestigung und Verschärfung der Konflikte zwischen den Partnern, mit den Eltern und anderen Bezugspersonen im sozialen Umfeld zu vermeiden.

Insbesondere im Hinblick auf die Weiterführung der Kontakte beider Elternteile zu den Kindern ist es unabdingbar, dass die Paare nach Trennung oder Scheidung fair miteinander umgehen und nicht "auf dem Rücken der Kinder" ihren Streit fortsetzen.

Erforderlich ist neben einer verstärkten öffentlichen Verdeutlichung des Angebotes, bereits in der Vorphase von Trennung/Scheidung Hilfe zu geben, die sozialpädagogische Beratung sorgeberechtigter und nicht- sorgeberechtigter Elternteile in den ersten ein bis zwei Jahren nach der Trennung/Scheidung.

Infolge der steigenden Scheidungsquoten und der Wiederverheiratung Geschiedener werden zukünftig immer mehr Zweitfamilien entstehen, deren Beziehungsstruktur im Vergleich zu Kernfamilien wesentlich komplexer und komplizierter sind. So verändert sich beispielsweise die Beziehung zwischen einer alleinerziehenden Mutter und ihrem Kind durch eine neue Eheschließung der Mutter nicht unerheblich; darüber hinaus muss z. B. auch geklärt werden, welche Funktion der neue Ehemann der vorher alleinerziehenden Mutter in bezug auf die Beziehung des Kindes übernehmen soll.

Erste Erfahrungen in der psycho-sozialen Beratung von Zweitfamilien (häufig auch Stieffamilien genannt) zeigen, dass es für die Bewältigung der neuen Lebenssituation immens wichtig ist, dass alle Beteiligten die Andersartigkeit der Zweitfamilie gegenüber der Kernfamilie akzeptieren. Sowohl im Vorfeld der zweiten Familiengründung als auch während der Integrationsphase sind beratende und entlastende Hilfen nötig.

Infolge der z. g. gesellschaftlichen Veränderungen (steigende Scheidungsquoten, Zunahme der Zweitfamilien) ist die Arbeit im Fachgebiet "Arbeit mit Alleinerziehenden" in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen und wird voraussichtlich auch in der Zukunft quantitativ und qualitativ noch zunehmen.

Alle z. g. Hilfen des Sozialdienst katholischer Frauen können jedoch nur erbracht werden, wenn ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter/innen für diese Aufgaben zur Verfügung stehen und die notwendigen Kompetenzen für die Arbeit mit Ein-Elternteil-Familien mitbringen.

Von der Zentrale des Sozialdienst katholischer Frauen werden regelmäßig bundesweite und diözesane fachspezifische Fortbildungen durchgeführt und regionale Arbeitskreise begleitet. Diese Angebote gewährleisten eine fachliche Qualifizierung der Mitarbeiter/innen und bieten Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch.

Am 1. Oktober 1988 erhielt der Sozialdienst katholischer Frauen Gesamtverein e. V. -außerdem vom Bundes- ministerium für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit die Genehmigung zur Durchführung des Projektes "Gruppenarbeit mit Alleinerziehenden - Entwicklung eines Fortbildungscurriculums". Im Rahmen dieses Projektes können z. Zt. 20 Mitarbeiterinnen an einer 2-jährigen berufsbegleitenden Fortbildung in der Leitung von Gruppen für Alleinerziehende teilnehmen.

Bisher werden Hilfen für Alleinerziehende im Sozialdienst katholischer Frauen allerdings meistens im Rahmen anderer Aufgabenstellungen mitwahrgenommen (z. B. von den Mitarbeiterinnen der Schwangerschaftsberatungsstellen als nachgehende Betreuung oder im Rahmen der allgemeinen offenen Sozialarbeit). Viele der Mitarbeiter/innen fühlen sich dadurch überlastet und sehen sich aus Zeitgründen nicht in der Lage die Hilfen im notwendigen Umfang zu gewähren.

Personelle Ausweitungen sind aus finanziellen Gründen oft nicht realisierbar; häufig fehlt sogar das Geld für die Finanzierung von Honorarkräften zur Kinderbetreuung oder für die Anmietung von Räumlichkeiten, in denen alleinerziehende Mütter getrennt von ihren Kindern zusammentreffen können.

Der zukünftig geplante verstärkte Einsatz ehrenamtlicher Mitarbeiter/innen darf kein Ersatz für fachspezifische Hilfe qualifizierter Sozialarbeiter/innen und Sozialpädagogen/innen sein, sondern soll die besonderen Merkmale ehrenamtlicher Tätigkeit (menschliche Nähe, persönliche Zuwendung etc.) erfahrbar machen.

Eine bessere finanzielle Absicherung der Arbeit in diesem Fachgebiet erscheint uns - auch unter prophy- laktischen Gesichtspunkten - dringend erforderlich und sinnvoll.

Doch auch der Einsatz haupt- und ehrenamtlicher Mitarbeiter/innen im Sozialdienst katholischer Frauen reicht allein nicht aus. In der caritativen Fachpraxis wird vielmehr deutlich, wie nötig eine verbesserte pastorale Begleitung von Alleinerziehenden oder in Zweitfamilien lebenden Kindern und Erwachsenen wäre. "Alleinerziehende, zumal wenn sie geschieden sind, leben häufig am Rande der Gesellschaft, mehr noch am Rande der traditionellen Kirchengemeinden... . Die Verkündung in der Gemeinde richtet sich über- wiegend an die s. g. "Vollfamilie". Geschiedene und Getrenntlebende erfahren so häufig Belehrung, Aus- grenzung, selten aber Ermutigung und Zuwendung als Hilfen für ihren Lebens- und Glaubensweg. Zu oft haben sie die Kirche und ihre Vertreter als Hüter einer "Ehedurchhalter-Moral" erfahren, der sie um ihrer selbst willen nicht folgen konnten" (11).

Alleinerziehenden und wiederverheirateten Geschiedenen sollte in den Gemeinden mit soviel Verständnis begegnet werden, dass sie sich dort geborgen fühlen können. "Als Christen sind wir zutiefst überzeugt, dass Verlust, Enttäuschung, Scheitern und Getrenntsein nicht das letzte Wort in unserem Leben haben.

Unser Gott ist ein Gott, dessen Gerechtigkeit sich darin beweist, dass er trotz Leid, Tod und Sünde und durch diese bitteren Erfahrungen hindurch unser Leben zu seiner Erfüllung zu führen versteht... . Wie Not und Versagen allen Menschen gemeinsam sind, so verbindet die Verheißung eines neuen Anfanges alle Christen und verpflichtet sie zur Solidarität. Dies gilt für Eheleute, die Krisen in ihrer Beziehung durchzustehen vermögen, nicht weniger als für solche, deren Gemeinschaft leidvoll zerbrochen ist. Wo ein Leben in Frieden zwischen Einzelnen nicht gelingt, ist es umso mehr der Gemeinde aufgegeben, den mitzutragen, der in ihr Heimat sucht. Keinesfalls kann es darum gehen, von außen selbstgerecht über andere zu urteilen. Das Beispiel Jesu muss uns dazu treiben, dass wir einander in gütigem Verstehen tragen, so dass der eine dem anderen ergänzt, was ihm fehlt." (12)

(11) aus: "Wir sind viele..." Alleinerziehende in der Gemeinde - Arbeitshilfe, Arbeitsstelle für Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (Hrsg.), Düsseldorf 1989, S. 5 - 6
(12) aus: "Alleinerziehend aber nicht alleingelassen", Erklärung vom Zentralkomitee der Deutschen Katholiken
vom 28. Mai 1984, S. 12



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